Scheiss Wetter

Heute ist der dritte Tag nach der OP. Ich hab nicht gut geschlafen und fühle mich schlapp. Eben war ich unten (in der Ambulanz) zum routinemässigen Verbandswechsel und Frau Dr. Tabatabaei meinte, das sähe alles sehr gut aus. Naja, „gut“ sieht anders aus, finde ich, aber es ist toll das vorläufige Ergebnis zu sehen!

Das hätte ich ja nicht gedacht. Sieht immernoch aus wie Hackfleisch mit Sosse und trotzdem erfüllt es mich mit Glück. Ich denke, dazu muss ich auch nochmal was schreiben. Da schwirren so ein paar Gedanken in meinem Kopf herum, aber die sind noch zu ungeordnet – kommt also noch. Fürs erste beschränk ich mich mal auf Dokumentarisches.

Gegen 11 Uhr hatte mich ein schnuckeliger Zivi abgeholt und war mit meinem Bett geschickt durch die teilweise engen Flure gekurvt. Unten in der Ambulanz parkte er mich erstmal auf dem Flur, wo schon ein anderes Krankenbett stand. Hochbetrieb im Krankenhaus und Frau Dr. Tabatabaei ist heute alleine. Die Ärmste. Aber sie ist trotzdem ruhig, extrem freundlich und hochkonzentriert. Es ist eine Freude, ihr bei der Arbeit zuzusehen – ist ein bisschen wie „Emergency Room“ – allerdings mittendrin, statt nur dabei.

Ein Pfleger half mir vom Bett auf den Gyn-Stuhl und dann kam der Verband runter. Soweit alles unspektakulär bis Frau Doktor wieder versehentlich an meine nagelneue und freiliegende Klitoris kam. Bamm! Ich dachte, mir fliegt der Kopf weg. Auf meine Frage, ob das auch irgedwann mal angenehm würde, meinte sie: „Sicher, aber das wird wohl noch ein wenig dauern.“ Na gut, ich bin ja geduldig. Meistens. Doch wirklich – ich hab so ne Ruhe in mir, wie ich sie bisher nicht kannte. Alles gut.

Als nächstes wurden die Drainage-Schläuche gezogen. Bah, ich hatte schonmal mehr Spass. Mannomann, ist das ein fieses Gefühl. Es tut nicht so richtig weh, aber es ist fies. Jedenfalls ist das wieder ein Schritt in Richtung Normalität. Bedeutet es doch, dass ich mich jetzt im Bett auch mal auf die Seite legen kann. Endlich! Jetzt hab ich nur noch drei Schläuche drin (von anfänglich sieben). Den Blasenkatheder durch die Bauchdecke (durch den der Urin abfliesst), den Katheder in der Harnröhre (dient nur zum Offenhalten) und den Aufblasstöpsel für den Stent.

Apropos Stent: Sieht aus wie ein Kondom mit nem Schaumgummidings drin und kostet 800 Euro! Das weiss ich, weil hier die Geschichte die Runde macht, dass eine frühere Patientin mal ihren aus Versehen in der Toilette runtergespült hat. Shit happens. Ok, der war schlecht und nicht ganz treffend, aber ich bin angeschlagen – also seid nicht so streng mit mir! Zurück zum Stent – oder auch Platzhalter genannt. Das ist nämlich genau das, was er tut: Er füllt den neuen Hohlraum aus. Ist ja alles eine offene Wunde innen drin und soll nicht wieder zusammenwachsen. Also wird es mit diesem Platzhalter aufgedehnt. Und so fühl ich mich auch: Aufgedehnt, aufgeblasen und vollgestopft. Hört auf zu lachen!!

Frau Doktor liess die Luft ab aus dem Dings und zog ihn vorsichtig raus. Was für eine Erleichterung als der Druck im Unterleib endlich weg war. Dann kam sie mit einem furchteinflössenden Spekulum und verschwand eine Zeitlang zwischen meinen Beinen. Saubermachen. Der Stent musste wieder rein und – natürlich – auch wieder aufgeblasen werden. Dann noch vorsichtig wieder Verband drüber und alles schön verpackt – fertig. Alles in allem ungefähr 15 Minuten, würd ich sagen.

Der Zivi-Schnuggel kurvte mich wieder nach oben in mein Zimmer, wo schon das Mittagessen auf mich wartete: Kartoffelpü mit Sossenersatz. Naja, der Hunger treibts rein. Wenn ich selbständig aufs Klo gehen kann, krieg ich auch wieder anständiges Essen, das übrigens laut Auskunft meiner Zimmergenossinnen ganz ok schmecken soll.

Jetzt schlürf ich gerade wieder Pfefferminztee und warte auf Besuch. Meine Mutter will heute kommen – mit dem Zug aus Bamberg! Bin ja mal gespannt, ob das alles so klappt. Heute vormittag wollte eigentlich ne Freundin hierher kommen, aber sie rief an, dass sie schon auf dem Weg war und wieder umdrehen musste wegen Glatteis. Scheiss Wetter. Vielen dank.

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14 Antworten zu “Scheiss Wetter

  1. Genau – iss mal Deinen Kapü orntlich alle, damit am Sonntag besseres Wetter ist und wir Dich endlich knuddeln können!

    Couscous!

  2. Oh man, mir fallen grad so viele alberne Kommentare ein… *aufdiezungebeiß* Das ist nämlich nur halb so witzig wenn man sie schreibt…. Ich warte dann bis morgen, vieleicht sollte ich sie notieren. Nein, ich denke mir werden zur Not auch wieder neue Sprüche einfallen, Du kennst mich ja 😉

    bla bla bla

    Ich freu mich das es Schritt für Schritt auf dem Weg zurück zur Normalität geht. Wobei, was ist schon normal? 😉

    *drückknuddelknutsch*

  3. ok .. Pfefferminztee, du musst wirklich krank sein und pervers 😉

    Ansonsten liest sich das ja alles ganz gut und dass die Schläuche weniger werden ist super 🙂
    Drainage ziehen .. jo .. seltsamer Schmerz so tief innen drinnen .. braucht Frau nicht wirklich 🙂
    Und irgendwann wünscht du dir vielleicht, dass die Klit empfindlicher ist *fg

    Mach weiter so, pass auf dich auf, 3. postoperativer Tag darf man noch ganz schön schlapp sein 🙂

    Vorsichtig knuddel

  4. ach sooo ja, das Wetter finde ich auch sehr anstrengend .. Wenn wenigstens der Schnee liegen bleiben würde .. aber nee .. schon das dritte Mal frischer Schnee und Glätte und Theater auch hier ..
    Ich bin vorhin mit meinem ausgeliehen Rentner Ferrari zum Delikatessen Albrecht, da ich ja noch ein paar Wochen nicht mehr als 5 kg tragen darf und mein Auto 1. zweitweise nicht anspringen mag und zweitens eine dicke Schneehaube drauf hat, die ich nur schwerlich abgeputzt bekomme ..
    Also nenn mich in Zukunft lieber Oma statt Mama *g
    Aber ist auch mit dem Ziehwägele ganz schön schwierig durchzukommen ..

  5. Wenn Du so Sachen von der Klitoris schreibst, dann zuck ich immer zusammen, als hätt MICH jemand da empfindlich gezwickt.
    🙂

    Schlaf schön nach und lass es Dir (so) gut (wie möglich) gehen!

  6. … trotz allem hört sich das alles nach einer gut verlaufenen OP an – sicher wird alles noch viel besser!! Ich finde sehr mutig und offen, wie du das alles beschreibst. Wünsche Dir alle vollkommene Genesung – wir Franken sind ja nicht umzubringen 🙂
    LG, Heike

  7. Mich friert wenn ich deine Zeilen lese, aber nicht, weil es kalt ist und verschneit – es liest sich so offen, authentisch und ich kann das irgendwie nach empfinden. Man fühlt einfach mit … DANKE für diese Zeilen und diese Offenheit. Ich glaube für dich ist dieser Blog ein wichtiger und richtiger Weg um das „Geschehen“ um dich herum auch zu dokumen-tieren.

    Was wünscht man dir? Alles Gute? Weniger Schmerzen? Gute Heilungsprozesse? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht und daher sende ich dir von allem ein bisschen und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es jeden Tag ein Stückchen besser wird :-))))

    Ich bin in Gedanken oft bei dir … und meinen Respekt hast du zu 100% – vor dieser OP hätte ich wahrscheinlich einen riesen Schiss gehabt ..

    Fühl dich gedrückt und herzlich gegrüßt :-)))

    Antonia

  8. Liebe Susanne,
    täglich erwarte ich geradezu mit Spannung Deine und auch Judith´s Berichte.
    Diesen so intimen und wundervollen Ereignis beizuwohnen,mit Dir fühlen zu dürfen ist etwas ganz besonderes für mich.
    Obwohl wir uns noch gar nicht kennen gelernt zu haben,bist du mir in den letzten Wochen so vertraut geworden.
    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen das sich all Deine Träume und Erwartungen erfüllen mögen.Du hast so viel dafür auf dich genommen und hast auf so vieles verzichten müssen um endlich ganz zu sein.
    Ich wünsche Dir weiterhin so viel Kraft und auch Mut Du selbst zu sein.

    Mit den besten Genesungswünschen
    Kate

  9. Wenn Du erst einmal anfängst, das Ding mit einer Spritze selber aufzublasen und die Luft wieder rauszulassen.
    Wirst Du richtig Spaß bekommen mit Deiner neuen Errungenschaft der Chirugie.
    Das ein- und ausführen des Stents ist Anfangs etwas kompliziert.
    Alles Gute

  10. ich beiss mir auch grad auf die zunge, abe ich weiss die zeit wird kommen ;))

    coool, deine mutter kommt dich besuchen *daumendrücke*

  11. Pingback: Normal | Susi und Ferkel·

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