2 Jahre nach der OP

Heute vor zwei Jahren, genau jetzt, lag ich im OP und hab nix mitgekriegt. Heute vor zwei Jahren habe ich „den ungeliebten Teil aus mir herausgeschnitten“, wie mein Psychologe einmal gesagt hatte und durfte werden, was ich sein wollte. Heute vor zwei Jahren wurde es wahr, das Wunder. Unglaublich.

Ist ein merkwürdiges Gefühl, mich daran zu erinnern. Vieles ist im Nebel und nur noch undeutlich, aber manches – vor allem kleine, einzelne Szenen – sind mir superdeutlich im Gedächtnis. Z.B. der Abend vor der OP, also gestern vor zwei Jahren. Das letzte Mal Pinkeln mit Schwanz. Der Tag der Vorbereitung mit den Untersuchungen und dem Hunger. Und am Abend die Frage: Ist das richtig, was ich hier tue? Und auch das Aufwachen – auch wenn ich total vernebelt war – ich weiss noch ganz genau, wie ich aus dem Aufwachraum gefahren wurde, mein Plüschferkel auf dem Bauch liegen hatte und meine Liebste mich in Empfang genommen und angelächelt hat. Der schönste Moment in meinem Leben. Bisher.

Ja, alles ist richtig. Und alles ist gut. Noch nie in meinem Leben war ich so lange so ausgeglichen und glücklich. Zwei Jahre schon. Klar, so eine OP ist kein Zuckerschlecken – wirklich nicht! Und es ist beileibe nicht so, dass ich keine Beschwerden hätte – andere hatten da vielleicht mehr Glück. Aber das ist alles nichts im Vergleich zu dem Leben vorher. Und ich will es um keinen Preis zurück! Ich liebe mich, ich liebe mein Leben, das noch vor mir liegt und ich liebe Judith. Wir lieben uns jeden Tag mehr und das wäre früher nie denkbar gewesen. Zu solchen Gefühlen war ich schlichtweg nicht in der Lage. Ich wusste nicht, dass es soetwas gibt. Da war ja nur dieser Selbsthass und die Zweifel – und kein Platz für Liebe.

Ich liebe mich, ich liebe Judith und ich liebe meine Kinder. In den Herbstferien waren sie für 5 Tage hier bei uns zu Besuch und es war toll. Wir haben uns gut verstanden und hatten viel Spass. Und ich hatte das Gefühl, dass sie mich auch mochten. Ganz im Gegensatz zu früher. Ich war ein Arsch. Und ich will mich garnicht herausreden, aber so unzufrieden und unglücklich, wie ich mit mir selbst war, konnte ich gar kein guter Vater sein. Unmöglich. Jetzt, so langsam werde ich ruhig und besser. Und ich hoffe, dass sie mir die Chance geben und wir ein gutes Verhältnis zueinander aufbauen können. Das wünsche ich mir. Und ich wünsche ihnen, dass ihr Leben so gut läuft wie meines jetzt: Mit Selbstachtung und Zufriedenheit. Denn nur so kann man die Liebe finden und mit dem richtigen Menschen an der Seite glücklich werden.

Das wünsch ich mir. Für mich und für meine Liebste, für meine Kinder und für alle Menschen.

Zwei Jahre

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3 Antworten zu “2 Jahre nach der OP

  1. Oh Susanne, wieder mal so schön ergreifend geschrieben. Ich freue mich sehr für Dich!
    Geht es mir doch ähnlich, nur dass meine beiden Töchter schon etwas älter sind. Sie lieben Ihren Papa immer noch, genauso meine Liebste ihre Frau! Meine Ex ist heute meine beste Freundin und so fahren wir nächstes Jahr auch Alle zusammen in den Urlaub.

    Herzlichen Glückwunsch zum Zweijährigen,
    ist bei mir in zwei Monaten!

  2. Das ist (wieder einmal) so stimmig, und harmonisch geschrieben, das Glück „sprüht“ Dir offenbar „aus jeder Pore“ und die (diesen Thread) abschließenden Absätze/Worte könnten auch zu ner Weihnachts-Messe passen. 😉
    Ich weiß, meine Worte klingen jetzt blöd (mir fällt aber im Mom leider keine bessere Formulierung ein), sie sind auch keinesfalls negativ gemeint, sondern -ganz im Gegenteil- als Kompliment ! 🙂

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