Demütigungsspiele (passiv)

Alles im Leben hat ja so seine zwei Seiten. So ist es gut, dass bei mir alles zu funktionieren scheint – unter anderem auch der Darm. Normalerweise (hat man mir erzählt) hat man nach der OP für die Dauer der Bettlägerigkeit – ca. vier bis fünf Tage – eher keinen Stuhlgang. Ein Umstand, der dann mit Abführmitteln und zur Not einem Einlauf behoben werden muss. Mein Darm hatte wohl nicht zugehört und macht es anders und ein bisschen übereifrig. Bei der Visite meinte der Oberarzt Herr Baase, dass das ein sehr gutes Zeichen sei, wenn auch sehr unpraktisch. „Unpraktisch“ ist da eher geschmeichelt. „Demütigend“ trifft es eher. Den Rest erspare ich Euch; Foto gibt’s auch keins.

Abgesehen davon ging’s mir heute Morgen hervorragend. Keine Schmerzen und ich hatte das Gefühl, Bäume ausreißen zu können. Einige von Euch haben ja mitgekriegt, dass ich direkt online war. Mittags habe ich dann gemerkt, dass ich wohl doch etwas langsamer machen muss, schon weil meine Darmtätigkeit einiges an Energie verbraucht hat.

Am Nachmittag kam dann ein Anästhesie-Arzt und hat mir meine Schmerz-Sonde (Peridural-Katheter) weggenommen. Er fragte, ob ich Schmerzen hätte, was ich verneinte. Wenn die Schmerzen wiederkämen, könne ich jederzeit Schmerzmittel haben, versprach er mir. Ich hatte tierisch Schiss vor dem Ziehen, weil das Legen des Katheters vor der OP höllisch weh getan hatte. Als er die Klebestreifen mit einem Ruck abzog, konnte ich das ja noch ein bisschen genießen. Dann sprühte er kaltes Zeug auf die Einstichstelle und meinte „Jetzt Zähne zusammenbeißen!“, was ich voller Angst tat. „Ne, war’n Scherz, is schon vorbei“, grinste er. Wenn ich den erwische. Ist schon der Hammer – da zieht der mir ’nen Katheter aus dem Rückenmark und ich spüre es noch nichtmal.

Um halb vier kam meine Süße trotz Unwetterwarnung und ich habe keine Worte dafür, wie glücklich mich das macht. Eben hat sie mich in den Arm genommen, wie sie das sonst immer tut, und mir den Rücken gestreichelt – mehr Glück geht nicht.

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17 Antworten zu “Demütigungsspiele (passiv)

  1. susi.

    ich freu mich so für dich und euch.

    und das mit dem demütigend und die erlittenen schmerzen… schrecklich… schlimm schlimm schlimm.

    v

  2. Nee „Mama“ sagt nichts zum Thema langsam machen 😉
    Sprech doch nur aus aktueller Erfahrung *g

    Aber ich sag deinem Darm mal, dass er sich bissle beruhigen soll 🙂

  3. das klingt richtig, richtig gut!
    und peridualkatheter ziehen tut wirklich NULL weh – und nein, ich bin wahrlich nicht maso 😀 ich habs 2x überlebt, du jetzt auch!
    hoffentlich kommt deine liebste auch heil wieder heim und dein darm macht mal ne spur langsamer!

    herzliche grüße aus dem verschneiten (ha ha ha) ruhrpott
    stephi

  4. Susanne…hatte ich nicht gleich gesagt,du übertreibst es heute ein wenig????*streng guck*
    ich bin sooo froh,dass es dir gut geht!

  5. Moin Ihr beiden.
    Nun habe ich tatsächlich den gesamten Blog durchgelesen! ist doch einen keks wert, oder 😉

    Erst überlegte ich, wovon sprechen die beiden…?? Und so musste ich weiterlesen. Anschliessend brauchte ich noch eine Weile um zu verstehen. Habe festgestellt, das kann meinereiner nicht nachempfinden. Nachvollziehen kann ich jedoch das Gefühl an sich, endlich diejenige zu sein, die ich sein will. Und dieses zuerreichen, ist man bereit viele Risiken, Hindernisse…na das volle Programm eben, einzugehen.
    Dafür habt ihr meinen Respekt!
    Ich wünsche euch ein tolles Leben und schicke euch ne Portion Gesundheit…öhm…und auch Schnee rüber 😉
    Ihr werdet ein wundervolles Weihnachten haben!
    Liebe Grüße
    Tina

  6. du hast grad nen Wusch bei mir frei,deswegen tu ich das jetzt vöööllig freiwillig:
    SUSANNE IST EINE ZUCKERSCHNECKE!
    (und ich find sie total toll!)

  7. no et hudle susi…
    wie praktisch das dein körper dir doch deine grenzen aufzeigt!

    wie schön das du so geborgen bist 🙂

  8. Den Blasenkatheder aus der Harnröhre oder aus dem Bauch ziehen zwickt mehr.
    Auch das erste mal pullern brennt wie Feuer.
    Katheder gibt es übrigens auch für den Arsch.
    War zumindest im September 2003 so.
    Sehr praktisch wenn Frau nicht aufstehen kann und dauern flüssig kommt.

  9. Auch wenn ich dich persönlich nicht kenne: Susi, du bist spitze! Das merkt man als Mitglied des SZ-Trans-Zirkels – und ich empfinde es ebenso beim Lesen dieser Seiten. Es freut mich, dass es dir schon wieder so gut geht und du diese feinen Blogs schreiben kannst. Bleib wie du bist und werde schön heil. Alles Gute weiterhin!

  10. Peridural hatte ich auch schon 2x ne Anästhesie, ich kanns Dir also nachfühlen.

    Dein Darm funzt halt „Susi-typisch“ = mit „eigenem Kopf“ 😉 Auch der ist halt „aufgeregt“ und „hibbelig“ 😉

  11. Wie schön zu hören,daß es dir gut geht!!
    Schön langsam weitermachen…

    Ach ja und vielen Dank für die Rücksichtnahme,von genauste Schilderungen und Fotos Abstand zu nehmen! 😉

    Und schön,daß ihr beieinander geborgen seid *lächel*

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