Operation Sahnebaiser

Der Artikel könnte auch „Eigentlich“ heissen. Eigentlich könnte die ganze Hochzeits-Vorbereitungszeit „Eigentlich“ heissen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher in meinem Leben schon so oft „eigentlich“ gesagt habe, denn noch nie ist so viel so anders gelaufen als ich es mir vorgestellt hatte. Aber der Reihe nach…

Gestern waren wir Brautkleider aussuchen. Oder vielmehr anprobieren. Denn ausgesucht hatten wir uns eigentlich schon welche. Im Internet. Eigentlich wussten wir (wiedermal) genau, was wir wollten – oder zumindest recht genau. Und die Brautkleider-Anprobier-Tour – oder „Operation Sahnebaiser“, wie unsere Haus- und Hof-Fotografin Charline (Strange Illusions) sie nannte – war nur zu dem Zweck gedacht, einen wundervollen Tag mit unseren Freundinnen zu verbringen und einmal die Atmosphäre in einem Brautmodengeschäft zu geniessen. Der Plan war, Prosecco zu trinken, von netten Verkäuferinnen bedient zu werden und sich ein bisschen wie eine Prinzessin zu fühlen. Und vielleicht, ganz vielleicht stand da die Möglichkeit im Raum, eventuell doch über ein oder zwei Kleider zu stolpern, die uns so gut gefielen, dass wir unsere eigentliche Wahl nochmal überdenken.

Eigentich. Und dann kam wiedermal alles anders.

  

Ich hatte in zwei Läden jeweils einen Termin gemacht – den ersten um 12 und den zweiten um 15 Uhr – und wir hatten uns für 10 Uhr bei uns zuhause verabredet, um den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück und dem einen oder anderen Gläschen Prosecco zu beginnen. Soweit klappte auch alles. Gut gelaunt und voller Tatendrang machten wir uns dann (ein klein wenig zu spät) auf den Weg und kamen dann auch aufgeregt im ersten Geschäft (Cinderella Brautmode) an. Dort wurden wir herzlich begrüsst und gebeten, noch ein wenig zu warten, weil noch andere Kundinnen bedient werden wollten. Ich hatte telefonisch schon angekündigt, dass wir ZWEI Bräute und sechs „Beraterinnen“ sein würden und so wurden wir dann von zwei Verkäuferinnen gebeten, ihnen „unauffällig“ ins Untergeschoss zu folgen. Acht aufgeregte Hühner und „unauffällig“ – Humor hatten die also, soviel war schonmal klar.

Stühle wurden herbeigesucht, unser Hofstaat mit Getränken (inkl. Sekt!) versorgt und modenschaumässig vor einer der Umkleiden aufgebaut. Judith und ich durften dann mit zu den Wandschränken und in den Traumkleidern wühlen. Schnell hatten die beiden Verkäuferinnen dann auch je einen Arm voll „Sahnebaisers“ und schleppten unsere Ausbeute zur Umkleide. Mit geübten Händen fummelten sie uns in die Roben und die Vorhänge wurden aufgezogen. So ging das mehrere Male und mehr als einmal ernteten wir gerührten Jubel von unseren Freundinnen, aber auch ehrliche und konstruktive Kritik. Das war toll und wir hatten mächtig Spass. Was für ein Gefühl! Was für Kleider! Eines schöner als das andere. Und schnell wars vorbei mit unserer Vorstellung. Ich z.B. dachte immer, dass es nur bestimmte Kleider gibt, die mich vorteilhaft aussehen lassen und mir ein gutes Gefühl geben – weit gefehlt! In fast jedem dieser Prachtstücke gefiel ich mir und auch Judith strahlte von einem Ohr zum anderen.

Trotzdem waren einige Kleider noch toller als andere und so hatten wir bald unsere Favoriten gefunden. Als wir dann beide unser jeweiliges Lieblingsstück noch einmal anzogen um zu überprüfen, wie die beiden Kleider im Zusammenspiel wirken, brachen unsere Begleiterinnen in begeisterte Verzückung aus. Jedes Kleid für sich strahlte und betonte die Vorzüge der Trägerin und beide zusammen harmonierten in perfekter Weise. Beide waren besonders, auf ihre Art eigenständig und doch passten sie zusammen. So hatten wir es uns gewünscht. Ist ja schliesslich nicht so einfach, zwei Kleider zu finden, die toll sind, zueinander passen und sich nicht gegenseitig ausstechen. Aber diese beiden waren genau das.

Ok, gekauft haben wir sie noch nicht. Denn leider liegen sie trotz des wir-kaufen-gleich-zwei-Kleider-auf-einmal-Rabatts weit über unserem Budget und wir waren danach ja auch noch in dem zweiten Laden (der allerdings weniger beeindruckend war). Aber wir haben viele neue Eindrücke, jede Menge neuer Optionen und wieder viiiieeeel zum Nachdenken und Entscheiden. *seufz* Und nächste Woche gehen wir noch ins „Outlet“, das uns von den wirklich netten Verkäuferinnen empfohlen wurde. Dort gibts Kleider von denselben Herstellern aus den Kollektionen der Vorjahre zum halben Preis. Und die sind nicht weniger schön, wie wir beim Stöbern im Internet schon festgestellt haben. Also auf ein Neues…!

Eins muss ich noch erzählen:

Als wir unsere Favoritenkleider trugen, wollte ich testen, wie es sich damit sitzt, weil das Oberteil des Kleides, in dem ich steckte, wie bei Corsagen mit mehreren Stäbchen verstärkt war. Also nahmen Judith und ich nebeneinander auf den bereitstehenden Stühlen Platz und da passierte es – der „heilige“ Moment des Tages: Plötzlich „zoomte“ die ganze Welt um mich herum auf uns und ich sah uns beide in unseren Kleidern auf den Stühlen vor dem grossen Tisch im Rathauskeller sitzen und den Ausführungen der Standesbeamtin lauschen. Der grosse Moment, der schon in gut 4 Monaten da sein wird – ich hab ihn gestern schon einmal erlebt. Dort im warmen Scheinwerferlicht der Ankleide im Brautmodengeschäft. Und ansatzlos hatte ich eine Ganzkörper-Gänsehaut und kriegte feuchte Augen. Und auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen – immerhin über einen Tag später – kribbelt es unter der Kopfhaut und ich hab nen Kloss im Hals.

Mein Traum wird wahr! Und es wird wunderbar werden.
Ich freu mich so.
Ich freu mich so!

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7 Antworten zu “Operation Sahnebaiser

      • Was habt ihr denn für Vorstellungen? In einem bestimmten Bezirk, am Wasser, was ausgefalleneres, wieviele Personen kommen? Es gibt wirklich viel, aber da kann ich euch bestimmt helfen. Dafür brauche ich nur ein paar Stichwörter. 😉

  1. Pingback: Wir haben zwei Brautkleider – und wir werden sie benutzen! | Susi und Ferkel·

  2. Pingback: Wir haben Brautkleider – und wir werden sie benutzen! | Susi und Ferkel·

  3. Hallo ihr zwei Bräute. Ich kann gar njcht beschreiben wie viel Spass es mir macht immer mal wieder in eurem Blog zu lesen. Ich bin davon überzeugt das ihr beiden absolut fabelhaft aussehen werdet und einfach einen unvergesslichen Tag habt. Bei der ein oder anderen eurer Geschichten meldet sich bei mir die ein oder andere Erinnerung an unseren fabelhaften Tag. Haltet sie fest diese Zeit, jetzt sinds ne Menge Entscheidungen aber es sind die schönsten eures Lebens.

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