Waaaaaaah!!!

So, nu isses amtlich:

Wir sind angemeldet und der Termin steht fest!

Anmeldung zur EheschliessungEigentlich wollten wir ja direkt am Montag (also vorgestern) früh um 8 Uhr beim Standesamt auf der Matte stehen, weil man uns geraten hatte, dass wir exakt 6 Monate vorher – also so früh wie möglich – die Anmeldung machen sollten, damit wir unseren Wunschtermin kriegen. Es sollte nämlich ein Samstag sein und es sollte im Historischen Rathaus sein und nach Möglichkeit nicht allzu früh am Morgen, damit wir zur Zeremonie auch schon wach und hübsch sind. Naja, und die Samstage im Historischen Rathaus sind halt nunmal sehr begehrt.

Und dann kamen meine Unterlagen nicht. Waaaaaaaaah!!

Und wir sassen wie auf Kohlen, aber gestern waren sie dann endlich in der Post und so sind wir heute morgen extra früh aufgestanden, um zumindest noch eine Chance auf nen schönen Termin zu haben. Punkt 7:45 Uhr waren wir an der Bahn – mitten in der Nacht, wenn ich das mal so sagen darf. Und tierisch hibbelig. Immerhin macht man sowas nicht alle Tage und ausserdem gab es in unserem speziellen Fall ja auch noch die eine oder andere offene Frage – aber dazu gleich.

Erstmal das allerwichtigste:

Wir haben unseren Wunschtermin!

Überraschenderweise konnten wir sogar noch aus mehreren Uhrzeiten auswählen. Besser gehts eigentlich nicht. Und vermutlich wird die Trauung auch die Standesbeamtin selbst vornehmen, die unsere Anmeldung bearbeitet hat. Ist ne sehr nette, die Frau Chimento und ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass sie sich die Nummer nicht entgehen lassen wollte – jedenfalls bot sie uns an, dass sie diejenige welche sein würde. Und eben weil sie sehr nett ist und eben weil unser „Fall“ ein bisschen speziell ist, war das mit ein Grund, weshalb wir uns für diesen Termin mit ihr entschieden haben.

Ja, ihr habt richtig gelesen:

„TRAUUNG“.

Das ist nämlich das Spezielle dran. Eeeeiiigentlich können gleichgeschlechtliche Paare ja „nur“ eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen und die „Ehe“ ist verschiedengeschlechtlichen Paaren vorbehalten. Da ich zwar operiert bin, aber die Personenstandsänderung noch nicht gemacht habe (bisher war mir das einfach nicht wichtig und ich habs schlichtweg vergessen), haben wir eben eine besondere Situation. Laut meiner Geburtsurkunde bin ich (weil es noch nicht geändert wurde) gesetzlich noch „ein Knabe“, also männlich. Und somit sind wir, Judith und ich, vor dem Gesetz ein verschiedengeschlechtliches Paar. Und als solches können wir gar nicht anders als eine EHE zu schliessen. Eine Verpartnerung geht für uns gar nicht.

Ist uns recht.

Denn leider ist es in Deutschland ja immernoch so, dass gleichgeschlechtliche Paare, die eine „Lebenspartnerschaft“ eingehen, zwar dann die gleichen Pflichten haben wie ein „Ehe“paar, aber nicht die gleichen Rechte. Die Verpartnerung ist so gesehen also „minderwertiger“ als die Ehe. Die Diskussion um diesen Missstand ist derzeit in den Medien und ich persönlich hoffe, dass er bald beseitigt wird. Also der Missstand.

Da auch das Transsexuellengesetz geändert wurde, nachdem es früher notwendig war, dass eine Transsexuelle, die in einer Ehe lebt, sich scheiden lassen musste, um ihren Personenstand ändern lassen zu können (siehe Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 11.01.2011), spricht jetzt nix mehr dagegen, dass wir – Judith und ich – eben eine EHE eingehen und nicht „nur“ eine Partnerschaft.

Kurios ist es trotzdem. Vor allem, weil – natürlich – die gesamte Bürokratie und alle Unterlagen und Dokumente einer Eheschliessung auf „Mann“ und „Frau“ ausgelegt sind. Das wird noch spannend! Auf der Bestätigung zur Anmeldung einer Eheschliessung steht demzufolge auch „Herr Susanne …“ und andere Kapriolen *gg*. Da aber mein Vorname per Gesetz geändert ist, habe ich auch das Recht mit „Frau Susanne …“ angesprochen zu werden. Und eben das war eine der Fragen, die wir klären wollten für die Zeremonie. Ich bin zwar sehr gelassen, was das ganze Herr und Frau im Zusammenhang mit Behörden angeht, und mach mir da im Allgemeinen nix draus, aber bei meiner Hochzeitszeremonie hätt ich schon gern, dass möglichst keine Patzer passieren. Frau Chimento hat uns dann auch versichert, dass sie sich alle Mühe geben wird. Bin mal gespannt, ob es den einen oder anderen Lacher gibt…

Anyway – nu steht es fest: Wir werden uns nicht nur binden, sondern HEIRATEN und zwar am 6.4.2013 im Historischen Rathaus zu Köln. Und wir werden zwei glückliche Bräute sein und beide in weiss. Damit geht ein Traum von mir in Erfüllung! Und alles wird wunderbar werden. Und es gibt tausend Dinge zu planen und zu entscheiden und alles ist sooooo aufregend…

WAAAAAAAAAAAH!!!

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13 Antworten zu “Waaaaaaah!!!

  1. Herr Susanne .. ich muss grad echt lachen.
    Dieses ganze Gesetzwirrwarr nervt allerdings .. dann musst du ja jetzt quasi papierlich männlich bleiben, damit das alles hin haut? Und bleibt eure Ehe denn wenigstens auch eine Ehe, auch wenn du irgendwann quasi auch papierlich eine Frau bist? Oder geht das dann automatiasch in diese komische Partnerschaft über?
    Ich würd ja zu gerne Mäuschen spielen, wie die gute Frau sich vorbereitet und über wieviele Steinchen sie stolpert .. 😉

    • früher musste eine ehe geschieden werden, wenn einer der eheleute den personenstand wechseln wollte. dies war eine der voraussetzungen laut §8 TSG. mit entscheidung vom 11.01.2011 hat das bundesverfassungsgericht aber diesen paragraphen für verfassungswidrig erklärt und somit ist eine scheidung heutzutage nicht mehr notwendig.
      andererseits kann laut GG eine ehe nur zwischen mann und frau bestehen. d.h. wenn ich meinen personenstand danach wechsle, muss die ehe umgewandelt werden. dafür ist eine sog. „lebensgemeinschaft 1. klasse“ vorgesehen, die rechtlich der ehe gleichgestellt ist, aber eben nicht so heisst. dies ist nicht zu verwechseln mit der „eingetragenen lebenspartnerschaft“, die ja rechtlich NICHT der ehe gleichgestellt ist.

      daher scheint mir dieser weg (erst eine „ehe“ eingehen und dann den personenstand wechseln) der bessere zu sein. so zumindest hat es mir meine anwältin (selbst eine transsexuelle) geraten.

  2. Ich würde jetzt so gerne meiner Freude Ausdruck verleihen, indem ich euch um die Hälse fallen und euch zu Boden knuddeln würde. Geht aber nicht – also, stellt euch das ganz einfach mal ganz fest vor. Phantasie habt ihr ja ausreichend!
    Knutschaaaaa von eurer Tussi!

  3. Mich freut für Ech, daß sich ausnahmsweise mal ein (Faulheits- und/oder Lustlosigkeit-bedingtes) „Liegenlassen“ (der Personenstands-Änderung) zu Euren Gunsten ausgewirkt hat 😉

    Das klingt fast so, als würdet Ihr damit nen Präzedenzfall schaffen, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, daß Andere daraufhin den gleichen Weg bzw die gleiche Lösung anvisieren werden 😉

    Öhem – Ihr habt vergessen, die Uhrzeit zu schreiben – „nicht allzu früh am Morgen“ ist ne Auslegungssache 😉

  4. Pingback: Es ist viel passiert | Susi und Ferkel·

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