Boah, ist das aufregend!

Für mich ist das nix Neues. Dachte ich.
Ich war ja schonmal verheiratet und auf Frauen steh ich eh schon immer. Der Gedanke, mit einer Frau zusammen zu leben oder sie zu heiraten ist jetzt nicht fremd für mich. Klar, ich mag auch Männer und ne zeitlang bildete ich mir auch ein, es müsse unbedingt ein Mann an meiner Seite sein, damit ich mich „weiblicher“ fühlen könne. Alles Quatsch übrigens – die Sichtweise auf sich selbst hängt letztlich nicht von anderen ab. Man glaubt das nur. Aber das ist ne andere Geschichte…

Also jedenfalls war es für mich kein „grosses Ding“, Judith mit Rührei zu locken („Wer ist eigentlich Ferkel“) oder mit ihr zusammen zu ziehen. Und auch die Vorstellung, dass wir vielleicht mal heiraten, hatte nix Ungewöhnliches. Und damit meine ich nicht, dass ich das nicht alles toll fand und mich über jeden Fortschritt in unserer Beziehung nicht gefreut hätte – es war halt einfach als Vorgang an sich das, was ich schon immer in meinem Leben hatte: Eine Beziehung zu einer Frau.

LieblingsferkelDIESE Frau ist was ganz Besonderes! Und ich liebe sie über alles.

Aber das soll hier mal nicht das Thema sein. Ich möchte über unerwartete Dinge schreiben – denn soo normal ist es dann halt doch nicht (mehr).

Einige von Euch haben es vielleicht mitbekommen – ich hatte Judith schon einmal einen Antrag gemacht. Damals – vor gut einem Jahr – war keine gute Zeit und Judith war noch nicht so weit. Sie lehnte ab und ich hab verstanden warum. Trotzdem tat es natürlich weh und es war schwer, damit fertig zu werden. Aber das letzte Jahr war generell kein gutes und so passte das eigentlich auch genau ins Schema.
Wie gesagt, ich hab es verstanden und wir haben es überwunden. Trotzdem blieb eine Wunde und für mich war klar, dass ICH sie nicht noch einmal fragen würde. Ist ja eigentlich auch nicht so schlimm. Wir lieben uns und wir haben auch prima ohne „offizielle Verbindung“ gelebt. Dennoch war dies mein grösster Wunsch, denn ich mag Traditionen und ich mag Kitsch und Romantik und alles, was eben so dazu gehört. Und für mich macht es eben doch einen Unterschied, ob man „nur“ zusammenlebt oder sich ganz offiziell bindet – vor dem Gesetz und vor allen.

Wenn Freunde geheiratet haben oder im Fernsehen was über Hochzeiten kam, hab ich das Thema vermieden, denn ich wollte es nicht „totreden“ und ich wollte nicht, dass Judith sich irgendwann „genötigt“ fühlt, weil es ständig Thema ist. Also hab ich auch bei mir den Gedanken beiseite geschoben oder garnicht erst aufkommen lassen. Das Thema „Hochzeit“ war also nicht ständig präsent, sondern stand vielmehr nebulös irgendwo im Hintergrund verborgen im Raum. Die Hoffnung hatte ich schon, aber wenn es nicht dazu gekommen wäre, wär’s auch kein Unglück gewesen. Wir sind ein Paar und wir geniessen unser Zusammenleben und es wäre auch ok gewesen, wenn es dabei bliebe.

Und so kam es total überraschend für mich, dass Judith mich gefragt hat!

Es war ein wundervoller Tag und wir waren mittendrin, kitschig-romantische Dinge zu tun („Liebesschloss“), die Sonne strahlte mit dem Himmel um die Wette, um uns herum nur verliebte Menschen, es war wunderbar warm und wir konnten das Glück mit beiden Händen anfassen. Und ich dachte für einen Sekundenbruchteil, dass hier (auf der Hohenzollernbrücke) sicher schon viele Anträge gemacht wurden, schob den Gedanken aber beiseite, weil ich auch so schon glücklich genug war. Und Judith strahlte – noch mehr als die Sonne und der Himmel zusammen und wir standen lange auf der Brücke, betrachteten das Symbol unserer Liebe zwischen den anderen zig-tausend Schlössern und waren verliebt. verlooooobt!Verliebt wie am ersten Tag und wie noch nie zuvor. Und für einen Moment sah ich den Gedanken in ihren Augen. Tat ihn aber sofort wieder ab, weil ich vollauf damit beschäftigt war, verliebt zu sein. Und dann fing sie an zu sprechen und sagte die Worte, die ich so ersehnt hatte und stellte mir die Frage, die ich mir so gewünscht hatte – und ich brach ansatzlos in Tränen aus.

Alles schwappte über mir zusammen und alles drehte sich. Ich konnte nix sagen und war nur am Schluchzen. All die unterdrückte Hoffnung und die Anspannung brachen aus mir heraus und ich weinte Judith klatschnass. Und es dauerte eine ganze Weile – vielleicht nur Sekunden, aber mir kams vor wie ne Ewigkeit – bis ich das „Jaaaaa!“ heraus brachte. Aber dafür sagte ich’s dann auch gleich mehrfach: Ja, ich will! Ich will deine Frau werden. Und du wirst meine Frau. Und wir standen da, mitten auf der Brücke, zwischen all den Menschen und den vielen tausend Liebesschwüren und hielten uns eng umschlungen. Lange.

Und dann spazierten wir weiter auf die Deutzer Seite – Hand in Hand – und grinsten im Kreis. Verlobt! Ich bin verlobt! Ich bin eine Braut. Wer hätte das gedacht? *gg* Und wir setzten uns in die Rheinterrassen und tranken erstmal ein Kölsch zu nem „Dom“-Burger (lecker!) und kriegten das Grinsen nicht aus dem Gesicht bis die Sonne hinter der Skyline unterging und auch danach nicht. Und immer wieder riefen wir leise „verlooooobt“ um es zu begreifen und es zu feiern. Und sahen uns in die Augen und verliebten uns jede Sekunde neu.

Ich bin eine Braut! Und wir werden heiraten. Vermutlich im Frühling und beide im Kleid – natürlich. Beide in weiss und ganz traditionell – das ist das einzige, was schon feststeht. Wobei eine gleichgeschlechtliche „Verpartnerung“ ja garnicht sooo traditionell ist. Das wird sicher auch noch Thema sein hier. Und da kommt auch noch einiges auf uns zu. Formulare, Behörden, Planungen und Entscheidungen – aber es gehört dazu und wir freuen uns drauf. Und wir werden berichten…

Alles ganz schön aufregend. Und doch ganz schön neu. Und ganz schön schön.

Sonnenuntergang

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6 Antworten zu “Boah, ist das aufregend!

  1. *schluchz Taschentuch raushole
    ihr zwei seid soooo süüüß und lieb und ich wünsche euch von Herzen alles was ihr euch wünscht.

  2. Oh Susanne,
    so ergreifend gut geschrieben. Habe ich auch gleich losgeheult.
    Gerade ich kann Deine Gefühle so sehr nachvollziehen.

  3. Du hast die Stimmung so gut beschrieben und eingefangen, daß nur Stoffel keine Tränen in den Augen haben.
    Ich wünsch Euch von ganzem Herzen Alles Glück der Erde!

  4. Endlich wieder was zu lesen von Euch und dann habt Ihr gleich mit der ganz grossen Kelle angerührt..
    Wie schön, dass ich Euch am CSD angejammert habe endlich wieder zu schreiben. Mein Mann hat mir schon bewiesen, dass beständiges „nagging“ Berge versetzen kann.
    Viel Spass und Kraft für die Vorbereitungen Eurer Hochzeit.
    Grüsse aus Basel!

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