111 Tage nach der OP

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es geht mir gut. Es geht mir sogar richtig gut!

Wisst ihr, wenn mir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, wie toll es wird, dann hätte ich keinen Moment mehr gezögert. Bestimmt! Ich wär schnurstracks zum nächsten Doc gelaufen und hätte direkt meine OP beantragt. Ganz bestimmt! Und ich hätte den Schnarchnasen bei den Behörden und Kassen die Bude eingerannt. Und ich hätte extra Jobs gemacht, nur um die Kohle für die Gutachten zu haben. Ganz sicher! Ich hätte alles getan, damit es so schnell wie möglich geht. Alles!! Denn aus heutiger Sicht finde ich es schade um jedes Jahr, das ich „vergeudet“ hab.

Das Dumme ist nur, dass ich das damals nicht wusste. Und geglaubt hätt ichs vermutlich auch niemandem. Wenn mir einer noch vor wenigen Monaten erzählt hätte, dass es mich einmal so glücklich machen könnte, wenn ich an mir runtersehe, dann hätte ich milde gelächelt und freundlich genickt. Sicher, im Laufe der Zeit wurde ich immer sicherer, dass ich das will und ich war mir auch sicher, dass es gut werden würde – aber DAS, was ich jetzt fühle, hätte ich niemals geahnt.

Ich hab es ja schon an der einen oder anderen Stelle erwähnt, aber es scheint mir an der Zeit, mal wieder Bilanz zu ziehen: Früher war ich die meiste Zeit unglücklich. Ich fühlte mich falsch und dachte immer nur, dass ich irgendwie nicht in diese Welt passe. Dabei wusste ich laaaange Zeit einfach nicht warum. Bis mir vor gut 10 Jahren eine Freundin den richtigen Hinweis gab. Aber dies ist eine andere Geschichte, die ich bei Gelegenheit auch mal schreiben werde…

Wie auch immer – ich fühlte mich falsch und war unglücklich. Ich konnte mich nicht leiden und war felsenfest davon überzeugt, dass auch sonst niemand mich lieben kann. Früher. Heute fühlt sich alles richtig an und ich bin glücklich. Ich liebe mich und ich fühle mich geliebt. Ich habe alles, was man sich wünschen kann – Selbstliebe, Selbstachtung, Lebensfreude, Mut, Spass, Lust und Liebe. Ich lebe mit einem wundervollen Menschen zusammen in einer wundervollen Wohnung und freue mich über jeden Tag. Ich habe viele Freunde – solche, die man wirklich so nennen mag – und ich fühle mich eingebettet in eine liebevolle Gemeinschaft. Ich habe Ziele und die Zuversicht, dass ich diese erreichen kann. Auch wenn es teilweise schwierig wird und lange dauern kann. Ich bin nicht allein! Und ich habe Vertrauen. Vertrauen in mich, Vertrauen in meine Liebste, Vertrauen in unsere gemeinsame Zukunft und Vertrauen darauf, dass die Menschen, die ich Freunde nenne, auch wirklich welche sind. Mir kann nichts mehr passieren. Alles Schlimme habe ich hinter mir.

Und das denke und fühle ich wirklich – auch wenn es jetzt so klingt, als wolle ich mir das selbst einreden. Das ist das Schöne: Ich muss mir nix mehr schönreden – ich bin innerlich ruhig und voller Vertrauen, dass ich mir nichts vormache. Nicht mehr.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Meine Muschi zickt manchmal ganz schön rum. Die Nähte heilen gut und im Wesentlichen scheint alles in Ordnung zu sein, aber manchmal tut es schon sehr weh. Hauptsächlich dann, wenn ich mal wieder total verkrampft bin und das bin ich oft. Egal, ob ich stehe, sitze oder liege – ich versuche wohl unwillkürlich ständig meinen Unterleib zu „schonen“ und verkrampfe so in meiner Haltung. Das wiederum führt dann aber dazu, dass ich total steif werde und mir ganz schnell alles weh tut. Aber es wird besser. Es ist längst nicht mehr so schlimm und immer öfter gelingt es mir, zu entspannen. Wenn meine unteren Regionen bald nicht mehr so empfindlich sein werden, wird sicher auch diese Schonhaltung ganz wegbleiben. Und irgendwann werd ich mich wieder frei und unbeschwert bewegen können.

Und dann mach ich einen Bauchtanzkurs!

Das hab ich mir fest vorgenommen. Ich wollte das schon immer, weil ich es total anmutig finde, wie man sich beim Bauchtanz bewegt. Den nötigen Bauch- und Hüftspeck dazu hab ich ja inzwischen auch. *ähem* Das ist auch so ein Punkt: Ich hab ganz schön zugenommen. Kein Wunder bei so wenig Bewegung. Und dabei ess ich doch so gern. *seufz*

Und manchmal bin ich auch traurig. Doch echt. Hin und wieder kommt das vor und es ist wohl völlig normal. Der Unterschied zu früher ist, dass es mich nicht mehr schreckt und dass es nicht mehr Wochen oder Monate dauert, sondern ein paar Stunden – höchstens mal einen Tag. Und ich zweifle und verzweifle nicht mehr an allem und grundsätzlich – es ist mehr nur so eine oberflächliche Traurigkeit, ausgelöst durch irgendwas Momentanes.

Das einzige, was mich wirklich fuchst ist, dass ich älter werde. Ok, das werden wir alle und es lässt sich wohl nicht aufhalten, aber ich sehe immer mehr Zeichen des Alterns an mir und ich hab doch schon 40 Jahre verpasst. Sooooo viel bleibt mir nicht mehr. Wie gern wär ich jetzt nochmal 20 oder 25 – mit jugendlicher Haut und eben ohne Schwanz. Ich würde meinen Körper feiern und so wenig wie möglich Kleidung tragen – gerade jetzt, wo der Sommer kommt. Stattdessen seh ich auf meine Hände und sehe, wie meine Haut dünner wird und langsam beginnt so auszusehen, wie die Haut an den Händen meiner Oma als ich ein Kind war. Schlimm ist es noch nicht, aber es geht unaufhörlich weiter. Also muss ich mich beeilen! Ich muss ganz schnell heil werden, damit ich in die Sonne kann und Bikini tragen und tanzen und lachen… TSCHAKAA!!

Und wenn alles nix hilft, les ich einfach nochmal „Panaroma“ von Tom Robbins und alles ist gut. Und wenn es noch nicht ganz gut sein sollte, guck ich nochmal „The Bleep„. Und wenn es dann immernoch nicht ganz gut sein sollte, leg ich mich in die Arme meiner Süssen. Das hilft immer.

 

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6 Antworten zu “111 Tage nach der OP

  1. Den Blick in Spiegel, das Älterwerden hast Du sehr treffend beschrieben und die Oma-Hände habe ich auch 😦
    Na ja, das Leben geht weiter, und frau ist immer so jung wie sie sich fühlt 🙂
    Alles Gute!!! Heike

  2. Es ist schön das von dir zu lesen … bei mir jährte sich soeben auch mein 10 Jähriges mich auf den Weg machen …10 Jahre kein Alkohol und keine Drogen mehr. Was du schreibst kann ich sehr gut nachfühlen, auch wenn ich nie ein Problem mit meinen äußeren Geschlechtsmerkmalen hatte. Aber wie es sich anfühlt, zu erwachen und sich selbst und das Leben zu lieben, das kenn ich!!!

  3. Na es wird aber auch Zeit,junge Dame! Ich sitz hier auf glühenden Kohlen und warte auf deinen Blogeintrag und was passiert,nix. Doch, ich hab mir den Hintern verbrannt an den Kohlen,jawollja.

    Das hört sich doch gut an,alles paletti,so soll das sein.

  4. Liebe Susanne,

    du musst das so sehen. Du bist nicht SCHON 40 sondern ERST 40. Deine Geschichte ist eben DEINE Geschichte und sie gehört nun mal zu dir, wie deine Hände von denen du jetzt denkst, sie würden langsam alt aussehen. (Völliger Blödsinn meiner Meinung nach im Zeitalter von Anti-Falten-Cremes und all dem Zeug ;o)
    So alt bist du nun wirklich noch nicht! Und lass es dir gesagt sein von einem Menschen, der den Selbstzweifel und den Selbsthass quasi „erfunden hat“ (in meinen Teenager Tagen und auch WEIT bis ins Erwachsenen Alter hinein): Man sagt zwar, dass die Zeit schneller verfliegt, je glücklicher man ist …. ABER, wenn du dann – weitere 10 Jahre später – auf das Vergangene zurückblickst und im Geiste nochmal alle Stationen deines neuen Lebens durchgehst, wirst du denken „WAS? DAS ist alles in nur 10 Jahren passiert?“ Und du wirst mit einem Lächeln daran zurück denken, auf die schönen Dinge die du erlebt haben wirst, aber auch die weniger schönen Dinge, die du auch wirst durchmachen müssen und du wirst denken „Geil war die Zeit!“
    Und was ist dann? Dann hast du nochmal 10 Jahre vor dir! ;o)

    lieben Gruß
    Dein Fan :o)

  5. Liebe Susanne,
    von Beginn an mitgelesen, natürlich an Dich gedacht, neuesten Einträgen entgegengefiebert und mich an Deinen Fortschritten und am Gesunden erfreut. Nun bist Du heil und ganz, körperlich, seelisch und spirituell. Du hast einen Werde-Gang hinter Dir, der Dich zu der Frau gemacht hat, die Du heute bist. Und alles hatte seinen Sinn, daher sei nicht bedrückt das Du älter wirst. Deine Achtung vor Dir selbst, Deine innere Zufriedenheit und Deine Liebe werden von Dir ausstrahlen und Dich immer wunderschöner werden lassen.
    Funkelndes Gegrüße von Bärbel

  6. Pft, 40. Statistisch gesehen wirst Du 82 Jahre alt werden. Das heißt, dass Du den längeren Teil Deines Lebens noch vor Dir hast!

    Wärst Du ein Mann geblieben, dann hätte Dir die Statistik nur noch 36 weitere Lebensjahre geschenkt – da siehst Du mal wie unheimlich gut es ist, dass alles ganz genau so ist, wie es ist.

    *drück*

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