Der gleiche Weg, die andere Richtung

Jetzt ist es gut drei Monate her, dass Susanne ihre OP hatte. In der Zeit ist viel passiert, viel von den Gefühlen damals aus dem täglichen Blickfeld gerückt – aber dass die Erinnerungen noch frisch und präsent sind, habe ich an diesem Wochenende wieder deutlich gemerkt. Ein Freund von uns geht den Weg, den Susanne nun zu einem sehr großen Stück schon gegangen ist, in umgekehrter Richtung. Und an diesem Samstag hat er sich unters Messer begeben – in München, mehrere Hundert Kilometer von zuhause entfernt. Seine Freundin, ebenfalls ein elementarer Bestandteil unseres Freundeskreises, war bei ihm. Ich weiß nur ungefähr, was bei einer solchen Frau-zu-Mann-OP passiert, aber was ich weiß, ist, dass diese OP ebensowenig ein Spaziergang ist wie die Mann-zu-Frau-Operation, die Susanne hinter sich hat.

Ich habe viel an die beiden gedacht. Natürlich habe ich ihm die Daumen gedrückt, dass alles gut läuft, dass er mit möglichst wenig Schmerzen wegkommt und dass das Ergebnis so wird, wie er es sich wünscht. Aber ich habe auch sehr stark an sie, seine Partnerin, gedacht, deren Perspektive ich ja nur zu gut kenne. Ich habe mich gefragt, wie es ihr ging (und geht) bei der Sache. Wie sie sich gefühlt hat, als sie ihn zum Krankenhaus begleitet und schließlich allein dort gelassen hat. Wie sie den Samstag überstanden hat, während er buchstäblich vom Morgen bis zum Abend im OP war. Was für ein Gefühl es für sie war, ihn nach der OP wiederzusehen – wahrscheinlich etwas beduselt, aber hoffentlich glücklich.

Ich habe wieder daran gedacht, wie ich Susanne am Tag vor ihrer OP zur und dann durch die Klinik begleitet habe, als sie von Pontius nach Pilatus geschickt wurde um tausend Dinge zu regeln. Wie ich mich am Abend von ihr verabschiedet hatte, wissend, dass ich sie erst nach der OP wiedersehe. Wie ich am selben Abend plötzlich einen Anfall von Angst um sie hatte. Wie ich am nächsten Tag zur Klinik gefahren bin, nervös und voller Furcht, nicht früh genug da zu sein und sie eventuell ohne mich aufwacht. Wie ich dann stundenlang gewartet habe, bis sie endlich aus dem Aufwachraum gebracht wurde. Wie unsere Blicke sich dann trafen, sie einfach müde, aber unendlich glücklich aussah, und wie mein Herz voller Liebe war, als ich sie so sah.

Ich bin nicht so vermessen, Susanne und mich als emotionalen Maßstab zu sehen – aber ich hoffe trotzdem, dass es den beiden an diesem ersten Abend und in den darauffolgenden Tagen auch ungefähr so ging und geht wie uns vor drei Monaten. Natürlich auf ihre ganz eigene Weise und sicherlich nicht in allen Einzelheiten. Auch den Teil mit der Angst haben sie hoffenlich weggelassen. Aber ich wünsche ihnen, dass sie ebenfalls dieses Gefühl der Großartigkeit teilen können; dass sie ebenso wahrnehmen, dass da gerade ein Traum wahr wird. Ich wünsche ihnen, dass sie Glück empfinden und ihm ein wenig nachspüren können, bevor sie wieder von Eile, Alltag und emotionalem Wellengang weitergespült werden.

Ihr Zwei, ich wünsche Euch von Herzen, dass alles gut und rasch verheilt. Dass Du, lieber Patient, Dich schnell erholst und dass Du, liebe Freundin, Stütze sein kannst, ohne Dich selbst zu verausgaben – Du weißt, dass Du Freunde hast, bei denen Du Dich anlehnen kannst. Ich wünsche Euch, dass Ihr die kommende Zeit gemeinsam gut übersteht, dass Eure Freude am Erreichten den Schmerz und die Anspannung mehr als aufwiegt und dass Ihr Euch demnächst mit Lust und Neugier neu entdecken könnt.

Und demnächst sollten wir feiern. Definitiv. 🙂

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3 Antworten zu “Der gleiche Weg, die andere Richtung

  1. Ach Du liebe Gefühlsdusseline,

    gerührt hast mich. Weißt Du, an vielen Menschen hängt das Schild „Einfühlungsvermögen leider ausverkauft
    (und wird in diesem Leben auch nicht mehr geliefert)“

    du hast denen alles geklaut..oder ? :o)

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