Ich liebe Dich.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau – draussen auch. Ich sitze hier an meinem Schreibtisch, schaue aus dem Fenster und erfreue mich an dem Licht und den Farben.

Es ist Mittwoch, ein ganz normaler Tag – eher langweilig, weil ich grad nicht wirklich was zu tun habe. Natürlich gäbe es so einiges, was ich tun könnte, aber das muss nicht unbedingt heute sein und ich hab ja schliesslich noch Schonzeit. Meine Steuer zum Beispiel, ich müsste dringend die restlichen Unterlagen zusammensuchen, damit der Steuerberater was zu tun hat. Aber das machen wir am Wochenende, meine Liebste und ich. Es war ihr Vorschlag und ich bin ihr so unendlich dankbar dafür!

Kennt ihr das? Manche Tätigkeiten sind einem so sehr verhasst, dass man sie immer wieder vor sich herschiebt, bis sie sooo bedrohlich und dringend sind, dass man es überhaupt nicht mehr auf die Reihe kriegt und lieber die unangenehmen Konsequenzen in Kauf nimmt, wenn man sie nicht erledigt hat.

So geht’s mir mit meiner Steuer. Und fragt nicht, wie lange die schon liegt! Bah, es schüttelt mich allein bei dem Gedanken daran. Aber zum Glück hab ich ja die liebste Judith von der ganzen Welt! Und mit ihr zusammen wird alles immer ganz einfach. Ist wirklich ein erstaunliches Phänomen: Arbeiten, die mir sonst tagelange Bauchschmerzen verursachen, verlieren vollkommen ihren Schrecken, wenn wir sie zusammen erledigen. Und wenn sie nur dabei ist – das reicht schon. Ich versteh‘ diesen Mechanismus zwar nicht, aber es funktioniert zuverlässig – jedesmal.

Gestern hab ich dann mal erzählt, dass mein schlechtes Gewissen sich meldet wegen meiner Steuer und wie sehr mich das belastet, und da meinte Judith, dass wir das dann halt am Wochenende zusammen machen. Perfekt! Kein schlechtes Gewissen mehr, keine Bauchschmerzen, keine Angst – nix. Ok, es ist auch nicht gerade so, dass ich mich drauf freue, aber ich hab keinen Horror mehr davor. Wir machen das und gut ist.

Oder die Kartons hier. Also die vom Umzug – ihr erinnert euch? Ich auch. Dunkel. Sind immernoch einige, die hier rumstehen und ausgepackt werden wollen, aber das muss auch nicht heute sein. Geht auch noch nicht wirklich. Schwer heben tut weh und das soll ich auch nicht, sagt Judith. Da kann ich so richtig brav sein. 😀

Dafür hab ich vorhin die Küche aufgeräumt – Spülmaschine ein- und aus- und die grosse Pasta-Schüssel von gestern gespült. Und noch ein bisschem Kram weggeräumt, Wäsche sortiert und noch ein paar Kleinigkeiten. Halt alles, was nicht schwer ist und ich gut machen kann. So langsam wird es und ich WILL mich ja auch wieder mit einbringen. Judith hat lange genug alles allein gemacht und das war grossartig! Sie ist die Beste. Echt. In gut sechs Wochen fall ich sowieso noch mal aus wegen der Nach-OP. Dann muss ich mich wieder für ein paar Wochen auf sie verlassen. Aber das ist gut so. Ist ein schönes Gefühl, wenn jemand da ist, auf den man sich verlassen kann, und der einem das Gefühl gibt, dass es ok ist, wenn man mal ne Zeit ausfällt und mit Heilung beschäftigt ist. Jeder sollte so eine Judith haben – aber nicht die da, das ist meine!

Hübsches Bild, oder? Stammt von letztem Sonntag. Judith hat zusammen mit ihren ehemaligen Schulkollegen ein Abitreffen nachgeholt und wir trafen uns in ihrem Heimatort zum gemeinsamen Brunch. War nett und lustig – nur zu früh. Wir sind um 8 Uhr aufgestanden, weil es schon um 9:30 Uhr losgehen sollte. Am Sonntag! Der Brunch geht in dem Cafe nämlich nur bis Zwölf. Provinz halt. *gg* Das Foto hab ich dann beim anschliessenden Spaziergang geknipst. Jahaaaa, ich bin spazieren gegangen! Langsam, aber immerhin.

Am Tag zuvor waren wir zu ihren Eltern gefahren, haben dort ein wenig geplaudert und leckere Frikadellen gegessen. An Weihnachten konnte ich ja nicht und Judith war auch nur einen Tag dort gewesen, weil sie mich am 25.12. aus der Klinik abgeholt hatte. Wir sassen also nett zusammen und ich hab die Couch bevölkert, weil normales Sitzen halt nach wie vor weh tut. So gings aber und der Wein war lecker. Später sind wir dann nach oben gegangen und haben in Judiths ehemaligem Kinderzimmer übernachtet. Das ist witzig! Sie hat ein James-Dean-Poster an der Wand  und eine Bleistift-Sammlung. Aber ich mag das. Ich mag es, mir vorzustellen, wie sie als Mädchen dort gelebt hat, gelesen hat, gemalt und geschrieben hat, sich geärgert und zurückgezogen und geträumt hat. Da haben wir dann geschlafen, inmitten ihrer Erinnerungen, und ich fühlte mich geborgen und glücklich. Neben ihr, meiner Liebsten.

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10 Antworten zu “Ich liebe Dich.

  1. *seufz*
    Der Himmel ist blau .. und dank deinen Worten fühlt wahrscheinlich jeder jetzt die Sonne im Herzen …
    Hab Dank dafür.

  2. Jetzt hab‘ ich feuchte Augen.

    Und so eine Judith – und vor allem diese ganz spezielle – die ist schon toll!

  3. oh das kommt mir so bekannt vor, immer vor sich herschieben… und irgendwann haut die/der Liebste aufn Tisch und sagt „so das wird jetzt gemacht, sofort“… hach ja, Du hast großes Glück gehabt.

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