Ich kann auch anders!

So ’ne OP krempelt ja schon so einiges um – Susannes Unterleib, unsere Zeitpläne, mein Selbstverständnis… Ja, genau. Mein Selbstverständnis. Nachdem ich jahrelang überzeugt war, Kochen, Putzen und Aufräumen sei anstrengend, unbefriedigend und ein notwendiges Übel (naja, Kochen war schon auch mal nett, aber halt immer mit Aufräumen und Putzen verbunden…), musste ich die letzten Wochen aus gegebenem Anlass den Haushalt größtenteils allein schmeißen und dafür sorgen, dass hin und wieder mal was Warmes auf den Tisch kam. Das klappte auch ganz gut, und nach ein paar Durchläufen sah die Küche auch nicht jedesmal aus wie nach einem Bombenangriff. Inzwischen bekomme ich auch ein Gefühl für Mengen und es muss auch nicht immer das Besondere aus dem Kochbuch sein, sondern ich kriege auch Schnitzel, Gurkensalat und Kartoffeln halbwegs gleichzeitig und genießbar auf den Tisch. Kurz: Ich lerne.

Dann habe ich mich neulich auf einmal mit dem Schwammtuch in der Hand wiedergefunden: auf der Jagd nach dem letzten Krümel auf der Arbeitsplatte. Nachdem ich die Gläser und Töpfe gespült hatte, die nicht in die Spülmaschine passten. Und am Freitag habe ich tatsächlich eine Einkaufsliste für die kommende Woche geschrieben, die ich am Samstag auch akribisch abgearbeitet habe (najaaaaa, NUR das zu kaufen, was auf der Liste steht, ist allerdings für Fortgeschrittene. Ähem.). Die Beute – ausreichend gefühlt für mindestens vier Wochen – hatte ich nach meiner Rückkehr eindrucksvoll auf dem Küchentisch aufgebaut. Hat zwar keiner gesehen, weil Susanne anderweitig beschäftigt war und ich die Beute nicht auftauen lassen wollte, aber immerhin hatte ich die Strecke gelegt. Außerdem erwische ich mich desöfteren dabei, wie ich Susanne erzähle, was ich alles noch im Kühlschrank habe. Dabei ist es unser Kühlschrank, und wir haben Vorräte.

Aber es passiert, woran ich im Traum nicht gedacht hätte: Ich mutiere zur Hausfrau. Naja, ansatzweise. So ein bisschen. Wahrscheinlich ist das, was ich da in unserer Wohnung anstelle, lächerlich in den Augen manch gestandener Vierfachmutter oder auch nur in denen ordentlich veranlagter alleinlebender Hobbyköche. Aber für mich ist es angenehm überraschend, weil ich immer geglaubt und mir einreden lassen habe, dass ich sowas nicht kann, nicht will und überhaupt. Dabei brauchte ich nur die Notwendigkeit, etwas Zeit und die passende Umgebung mit ausreichend Platz, um einen gewissen Nestbautrieb samt individuellem Ordnungssinn auch bei mir zu entdecken. Jemand, der das zu würdigen weiß, tut dann das Übrige. 🙂 Unsere wunderbare Küche lädt aber auch dazu ein, in ihr zu arbeiten, zu kochen, sich mit unseren schönen Töpfen und Werkzeugen zu beschäftigen, sie aufzuräumen und Freunde zu bewirten, und ich folge dieser Einladung zunehmend gern. Wenn ich nicht gerade lieber blogge oder so. 😉

Ich frage mich, wie es wird, wenn Susanne wieder richtig fit ist. Wenn sie mir mein Kochlöffel-Zepter wieder aus der Hand nimmt und wir uns einigen müssen, wer was wann kocht. Dass das kein Problem sein wird und wir uns sicherlich nicht in die Haare geraten werden deswegen, sehe ich sehr zuversichtlich. Ich bin nur mal gespannt, ob und wie sehr ich nachlasse und wie viele Gänge ich runterschalte. Dass ich runterschalten muss und werde, ist klar: Dieses Tempo halte ich nicht ewig durch, zumal mich der Arbeitsalltag wieder hat. Aber zurzeit macht’s Spaß. Und ich wundere mich immer noch. 🙂

Advertisements

6 Antworten zu “Ich kann auch anders!

  1. hmm… also wenn es zu Hause nichts leckres zu essen gäbe, es nicht ordentlich, gemütlich und schön wäre – welchen Sinn und Zweck hätte ein zu Hause dann? Für mich alles unabdingbar. Also ermutige ich dich / euch weiter Kochlöffel und Schwamm zu schwingen 🙂

  2. *g* Du kannst es geniessen,also geniesse es so lange es anhält!!!

    Ich führe weiterhin meinen Kampf mit dem notwendigen Übeln 😉

    Liebe Grüße

    lisa

  3. Wenn ein Zuhause auch ein wirkliches Zuhause ist und man sich wohl fühlt, macht man das gerne und entdeckt ungeahnte Fähigkeiten an sich…schön 🙂

  4. Pingback: Stilmittel aus Versehen | Susi und Ferkel·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s