Ein Jahres-Wechsel

Und schon hat er mich wieder, der Alltag. Ehe ich mich versehen habe, ist schon Montag. 3. Januar. Ein Arbeitstag, der erste in diesem Jahr. Dabei wollte ich doch noch innehalten und die Jahre auf mich wirken lassen – das vergangene, 2010, und das beginnende, 2011. Ich wollte in mich hineinhorchen und den Nachhall spüren, den das verblassende Jahr hinterlässt und in den sich mit jeder Minute, die verrinnt, schon die feinen neuen Töne des frischen Jahres mischen.

Dass 2010 ein unglaubliches Jahr für Susanne und mich war, hatte Susanne ja bereits erzählt. Der Text war bewusst zu einem großen Teil aus ihrer Perspektive geschrieben, aber das meiste hat mich ebenfalls betroffen, ebenfalls berührt. Darüber hinaus gab es für mich jedoch natürlich weitere Nuancen, weitere Momente. Manches davon betrifft mich, manches die Menschen, die ich liebe und die mir wichtig sind. Einiges wird mit der Zeit verblassen, anderes kann ich hoffentlich bewahren. Manchmal denke ich mir, dass ich diese Momente zum Abschied des Jahres noch einmal in einem großen Ritual würdigen müsste, dass ich ihrer angemessen gedenken sollte, um die Großartigkeit noch einmal zu spüren – aber dann rinnt mir die Zeit und jegliche Gelegenheit wieder durch die Finger, vielleicht, weil sich ein solcher Moment nicht „mal eben“ erzwingen lässt.

Umso schöner war unser silversternachmittäglicher Ausflug zum Kölner Dom. Susanne wünschte sich, dort noch im alten Jahr einige Kerzen anzuzünden. Ich fand die Idee wunderbar, da auch mir diese Geste für meine Lieben sehr gefällt.
Und genau da konnte ich es. Ich konnte innehalten, ich konnte den ganzen Eindrücken der letzten Zeit nachspüren, ich konnte meinen Gefühlen einfach freien Lauf lassen. Ich habe das Gebet und die Atmosphäre des weihnachtlich geschmückten Gotteshauses auf mich wirken lassen, nichts Konkretes gedacht und einfach losgelassen. Ich habe dagestanden und meine Tränen laufen lassen, ohne dass ich traurig gewesen wäre. Und Susanne war einfach bei mir. Sie hatte mich verstanden.

Irgendwie war das mein Jahreswechsel. Später, um Mitternacht auf der Straße, wollte sich ein ähnliches Gefühl nicht mehr einstellen – noch nichtmal annähernd. Dabei bin ich gespannt auf das neue Jahr, und ich habe ein gutes Gefühl. Von der Ereignisdichte wird es wohl kaum mit 2010 mithalten können. Wenn es nach mir geht, soll es das auch gar nicht. Ich wünsche mir, zur Ruhe zu kommen, nachdenken zu können und Zeit zu haben. Ich wünsche mir Glück und Zufriedenheit mit einer gewissen Normalität. Ich will Alltag und mich daran gewöhnen. Und ich glaube, dass 2011 mir das geben kann. Dann habe ich auch wieder Energie für das Abenteuer, das Ungewöhnliche, das Spontane – denn so richtig ohne dies alles will ich auf Dauer auch nicht. 😉

2011, ich bin gespannt auf Dich.

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5 Antworten zu “Ein Jahres-Wechsel

  1. Ich kann nur sagen, ich bin auch gespannt auf das Jahr 2011!
    Das mit dem Innehalten war wunderschön beschrieben…Danke!

  2. innehalten, Revue passieren lassen und der Alltag hat einen schon wieder in den Fängen, ach es ist schön daß Du diesen besonderen Moment für Dich geschafft hast. Seid gedrückt.

  3. Für diesen Eintrag muß frau dich mögen obwohl ich dich nicht kenne!
    Danke von Herzen für dieses Teilhabenlassen an ein deinem Innehalten und Nachspüren. Mir hat das die ganze Zeit auch gefehlt, nun weiß ich wieder dass mir der Frieden in einer Kirche dazu gefehlt hat, das wirkt nämlich meist auch so auf mich.
    Wünsch euch alles Gute für 2011.
    LG M*

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