2010 – das war’s.

Das war ein Hammer-Jahr! Es ist soo viel passiert und das meiste war gut. Es gab viel Freude, viel Aufregung und viele Wünsche gingen in Erfüllung. Es war anstrengend und manchmal schien es zuviel, aber letztlich war es gut. Mehr als das! Ende 2009, an Silvester, hatte ich gesagt: „Das wird ein Hammer-Jahr!“ und das wurde es. Ich hatte es gespürt und recht behalten.

Die Jahre 2008 und 2009 waren für mich keine guten Jahre. Erwerbsmässig und damit finanziell lief es immer schlechter, mein mehrjähriges Single-Dasein begann mich mehr und mehr zu nerven und obwohl mein Entschluss feststand und ich im Prinzip alle Unterlagen zusammen hatte, ging es mit meiner transsexuellen Entwicklung nicht voran, weil ich meiner Krankenkasse Geld schuldete und somit die Kostenzusage nicht bekam. Alles stagnierte und ich merkte, wie Resignation und Frust sich in mir breit machten und immer mehr mein Leben bestimmten.

Dann lernte ich Judith kennen. Erst war es Interesse, dann Verliebtheit und dann wurde es Liebe. Und alles machte auf einmal wieder Spass. Sie half mir wieder Kraft zu finden und mich auf meine Ziele zu besinnen.

Ende 2009 waren meine Schulden bei der Krankenkasse auf ein überschaubares Mass abbezahlt und meine Mutter schenkte mir den Rest und machte damit den Weg für meine OP frei. Ich bin ihr unendlich dankbar dafür! Plötzlich hatte ich wieder eine Chance und dazu einen Menschen an meiner Seite, der mir Kraft gab, sie zu nutzen.

So begann das Jahr 2010. Mit Mut und Kraft, mit Chancen und dem Willen sie zu nutzen. Judith half mir, direkt im Januar den restlichen Papierkram für meinen Antrag zur Operation zu erledigen und am 11. Juni kam sie dann – die Kostenzusage der Krankenkasse. Ich rief sofort in Krefeld an, wo ich 3 Jahre zuvor bereits zum Vorgespräch gewesen war und fragte, wie das mit der Warteliste sei. Ich bekam einen Termin für Juni 2011. Ok, das war zwar noch ein ganzes Jahr, aber nun hatte ich schon so lange gewartet, dass ich das auch noch schaffen würde. Ich machte dann noch einen Termin für das Vorgespräch in Essen, denn ich hatte ein wenig Hoffnung, dass ich dort einen schnelleren Termin bekommen könnte. Essen gefiel mir aber ganz und garnicht. Sie machen dort bestimmt auch gute Operationen, aber das Umfeld fand ich schrecklich. Also entschied ich mich gegen Essen und für Krefeld, denn dort hatte ich ein extrem gutes Gefühl gehabt. Am 5. Oktober erhielt ich dann einen Anruf aus Krefeld, dass ich einen OP-Termin im Dezember haben könnte. Ich freute mich riesig, denn das hatte ich mir gewünscht. OP noch in 2010 und vor allem im Winter – dann würde es bis zum Sommer schon soweit verheilt sein, dass ich Bikini tragen kann. *gg*
Dass es beim ursprünglichen Termin am 16.12. nicht blieb, haben wir ja schon geschrieben – und das ist auch jetzt nicht mehr wichtig. Ein grossartiges Jahr ging für mich mit einem Paukenschlag zu Ende.

Aber das war nicht alles – das Leben besteht ja nicht nur aus Transsexualität.
In den ersten Monaten des Jahres feierten Judith und ich unsere frische Beziehung und unsere Verliebtheit. Wir waren viel auf Partys, besuchten Freunde, machten Ausflüge und genossen das Leben. Einen geplanten Ägypten-Urlaub gönnten uns die Isländer nicht und zündeten ihre Insel an, weshalb unser Flug gestrichen wurde. Also genossen wir die sonnigen Tage im April in den Stadtparks von Köln. Witzig war auch meine 25-jährige Abifeier im Juli. Ein paar meiner ehemaligen Mitschüler wussten von meiner Transsexualität durch „Stayfriends“ und „Facebook“, aber ich freute mich diebisch auf die Reaktionen der anderen. Judith nahm ich mit und es wurde ein sehr schönes Wochenende. Im Anschluss daran kurvten wir noch vier Tage kreuz und quer durch Franken – zu den Orten meiner Jugend und Vergangenheit.

Das zweite Halbjahr wurde – unter anderem – bestimmt von einem wichtigen Schritt für unsere Beziehung: Im Mai hatten wir beschlossen, uns ein gemeinsames Nest für unsere Liebe zu suchen. Ein knappes Jahr Hin- und Herfahrerei und mit Zahnbürste im Gepäck nie „zuhause“ zu sein, schien uns genug. Judith hatte ein bisschen Bammel, weil sie vorher noch nicht mit jemandem zusammen gewohnt hatte und sie war dementsprechend aufgeregt, aber wild entschlossen. Wir machten eine Liste mit Kriterien für unser Prinzessinnenschloss und durchwühlten Immoscout und die Zeitungen. Nach zweieinhalb Monaten und etwa 20 Besichtigungen hatten wir dann den unterschriebenen Mietvertrag für eine wunderschöne Wohnung. Dann hiess es noch drei Monate warten, planen und packen. Im Oktober sind wir dann in zwei Etappen mit der Hilfe vieler Freunde umgezogen. Der Plan war bis zur Einweihungsfeier – einen Monat später – alle Kartons ausgepackt und eingeräumt zu haben, aber das haben wir nicht ganz geschafft. Egal – gemütlich ist unsere Wohnung auch so und den Rest machen wir jetzt ganz in Ruhe.

Das war mein und unser 2010. Ein Jahr mit vielen Höhen und natürlich auch ein paar Tiefen. Der geplatzte Urlaub, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und das eine oder andere Erschöpfungsloch können aber den Gesamteindruck nicht trüben. Was für ein Jahr!
Es begann voller Hoffnung, brauste stürmisch dahin und steigerte sich zu einem grandiosen Finale. Viel Freude, Emotionen, Spass, Lachen und Leben und viele Tränen. Tränen der Erschöpfung, aber auch der Freude.

Das Jahresende begingen wir ganz ruhig und beschaulich. Und für 2011 wünschen wir uns zuerst mal vor allem eines: Ein bisschen weniger Aufregung und ein bisschen mehr Ruhe. Zumindest bis ich wieder kann, wie ich will – spätestens im Sommer. Biniki und so… 😉

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6 Antworten zu “2010 – das war’s.

  1. Hallo

    Bei mir verlief das mit dem Termin in Krefeld änlich!
    Juni 2010 Kostenzusage von KK, und Termin von Kefeld für Juni 2011.
    Juli 2010 Terminverschiebung vom KH Krefeld auf 2.12.2010
    Nov 2010 anruf aus Krefeld Temin für OP 14 früher und schon am 18.11.2010

    jetzt Termin für 4.3.2011 für Korektur OP

    und alles ist betens verheilt

    GLG Svenja und Sandra

  2. menno du olle orschel,

    da kurvt sie durch franken u. ich weiß nix davon! 😦
    [ok im juli war ich selbst in klinik u. deshalb nich auf akutellen stand bei stayfriends, dadurch biste entschuldigt 😉 ]
    ich würd dich doch sooo gern mal wieder sehn (und manu sicher auch)
    und vor allem dein ferkel kennenlernen! 🙂
    irgendwann werden zwei mädels aus deiner jugendlichen vergangenheit dich treffen wollen, wenn du nich kommst dann kommen wir *droh* 😛

    wie auch immer, wünsch dir und deiner liebsten alles erdenklich gute für die zukunft, dir vor allem „guts heilfleisch“ und danke fürs teilhabenlassen, ist sooo schön.
    bussi von m*

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