Rückschläge

Der gestrige Tag war nicht gut. Ich wachte morgens auf und ärgerte mich als Erstes über eine blöde Bemerkung einer der Schwestern. Das ganze Team hier ist wundervoll und sie bemühen sich alle, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, aber diese Eine ist ne blöde Kuh. Dummerweise war ich noch total verschlafen (ich hatte zum ersten Mal bis zum Wecken geschlafen) und mir fiel nix passendes auf ihren dummen Kommentar ein. Hat mich ganz schön geärgert. Aber was soll’s – heute war sie zwar nicht nett, aber doch zumindest höflich und … sagen wir mal, ok.

Jedenfalls wurde gestern mein Blasenkatheder (der durch die Bauchdecke) abgestöpselt. D.h. er blieb noch drin, aber der Beutel wurde abgenommen und durch einen Stöpsel ersetzt, sodass der Urin nicht mehr ständig abfliessen konnte, sondern sich – wie es sein soll – in der Blase sammelte und ich dann eben „normal“ pinkeln gehen sollte. Ich hatte Schiss. Zum einen hatte ich gestern sowieso stärkere Wundschmerzen als die Tage vorher und zum anderen hatte ich gehört, dass es tierisch brennen soll, wenn zum ersten Mal der Urin durch die operierte Harnröhre fliesst. Klingt ja auch irgendwie logisch, oder?

Das erste Mal Wasserlassen klappte. Nicht gut, aber immerhin. Ein dünnes Rinnsaal suchte sich mühsam den Weg nach draussen und der Druck schmerzte sehr. Gebrannt hat es allerdings nicht. Das ist wohl ein Gerücht (wie so viele). Danach „Restharn“ messen. Also Stöpsel vom Katheder lösen, Becherchen drunterhalten und den Rest aus der Blase, der nicht natürlich abgeflossen ist, auffangen. 18 milliliter. Das ist gut, hatte man mir gesagt. Alles unter 20 sei gut. Naja, knapp.

Das zweite Mal kam noch weniger – allerdings war auch der Rest geringer: nur ein paar Tröpfchen – ich hab mal 2 ml aufgeschrieben.

Bei jedem Toilettengang muss ich jetzt den Platzhalter rausnehmen, mein Geschäft verrichten und danach das Ding wieder einsetzen. Mit der Kartoffel drin, geht garnix. Klemmt mir wohl die Harnröhre ab, schätze ich. Was ein Stress! Und das jetzt ca. 6 Monate lang. Aber ich hab’s ja so gewollt.

Zwischendrin hatte ich geduscht und meine Haare gewaschen (sie hatten es schon wieder bitter nötig) und halt sonst so alles gemacht, was man im Bad tut. Zwei Stunden brauchte ich dafür und war hinterher fix und fertig. Deshalb hab ich dann nach dem Mittagessen ein Schläfchen gehalten.

Das mag auch der Grund gewesen sein, warum ich dann erst abends gegen 19 Uhr wieder aufs Klo musste – ich hatte kaum was getrunken. Und das war dann die Katastrophe: Ich hatte tierischen Druck auf der Blase, spürte wie der Harn in der Röhre hochstieg, aber es kam nix. Es drückte und brannte (!) wie blöd, aber es kam nix. Ergebnis – gemessene Restharnmenge: 4 volle Becher. Ich war am Boden zerstört. Ich hatte Angst, dass irgendwas mit meiner Harnröhre sei und vielleicht zeitaufwändige und schmerzhafte Korrekturen notwendig würden. Ich war todunglücklich.

Judith war um 17 Uhr angekommen und war ebenfalls schlecht drauf. Sie sah gestresst aus und weinte auch ein bisschen, als sie neben mir sass und ihren Kopf mit auf mein Kissen gelegt hatte. Ich versuchte sie ein wenig zu trösten, aber meine Sorge, dass meine Entscheidung, dies alles durchzuziehen, doch eine zu grosse Belastung für sie sein würde, zog mich dann noch weiter runter. Meine Nerven lagen blank, ihre auch und so krachte es.

Aber nach Regen folgt Sonnenschein und so rauften wir uns wieder zusammen. Sie versprach besser auf sich aufzupassen und mir noch mehr Stärke zu geben. Und so langsam kam ich aus meinem Loch wieder raus und konnte ihr gutes Zureden dann doch annehmen. Wir blieben noch ne ganze Weile zusammen und Judith schenkte mir ein paar Kuschel- und Streicheleinheiten. So langsam ging es uns beiden dann wieder besser. Um 22:30 Uhr machte sie sich auf den beschwerlichen Heimweg und als ich um 0 Uhr die SMS von ihr las, dass sie gut angekommen sei, war ich beruhigt.

Frau Dr. Tabatabaei hatte nachmittags bei der Visite gemeint, dass wir am Abend den Beutel nochmal an den Katheder dranhängen, damit ich ne ruhige Nacht hätte. Dies hatte ich nach dem letzten erfolglosen Pinkelversuch auch gemacht. Ich war zwar immernoch bang, schlief dann aber trotzdem gut ein.

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6 Antworten zu “Rückschläge

  1. Bei mir klemmte die Harnröhre auch beim dritten Klogang, dann haben die einen Einmalkatheter in die Harnröhre eingeführt und alles abgelassen. Von da an gings. Scheinbar war die Harnröhre verstopft und das was da drin war, wurde mit dem Katheter sozusagen rausgestossen.

  2. och Süße ich drücke dir mal die Daumen, dass du heute einen besseren Tag hast und morgen, wie geplant heim kannst 🙂
    Feste Knuddel

  3. ich werd‘ euch dann berichten wie’s bei mir is, aber bis dahin müsst ihr euch schon noch gedulden -lach-

    Spass beiseite, ………liebe Susanne, du bist doch ein starkes Mädchen, Kopf hoch, alles wird gut !
    Dir und deinen lieben, ein wunderschönes besinnliches Weihnachtsfest, so gut es geht, aber warte, ich hab‘ noch was für dich

    ♥……(,)
    |´.-.|…………….|::::|….*♥
    |´.-.|…………♥*|::::|…)/¸.¤ª“˜¨
    |´.-.|….¯¨˜“ª¤.¸*♥*.¤ª“˜¨¨˜“¨
    |´.-.|…..*♥¯¨˜“%¸*♥ª“˜¨¨˜“¨
    |´.-.|
    |´.-.| Weihnachten ist…
    |´.-.| wenn ein Lächeln von Herzen kommt
    |´.-.| wenn das Ich zum Wir sich wandelt
    |´.-.| wenn Hände lieber geben als nehmen
    |´.-.| wenn aus Abstand Nähe wird
    |´.-.| wenn Helfen ein wichtiges Wort wird
    |´.-.| wenn Augen zu leuchten beginnen
    |´.-.| und eine Träne nicht Leid bedeuten
    |´.-.| muss.
    |´.-.| Frohe und gesegnete
    |´.-.| Weihnachten, wünsche ich Dir
    |´.-.| von ganzem HERZEN!!!
    |´.-.| `*•.¸♥¸.•*`
    |´.-.|____________________
    |.´.-.´´.´.-.´´.-´´.-.´´.´.-.´´.-´´.-.´´.´.
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯…

    in diesem Sinne, ganz liebe Grüße zur Weihnacht
    Axèlle

  4. Bei mir hat es beim ersten mal pullern tierisch gebrannt.
    Dafür hat sich die Harnröhre erst nach der Entlassung etwas verengt.
    Da war der Bauch DK schon draussen.
    Da hat es auf dem Klo etwas länger gedauert.
    Das wurde bei der Nach OP behoben, ausgeschabt. Da wachte ich mit DK auf.
    Als der gezogen war, hatte ich nie wieder Probleme.
    Alles Gute und frohes Fest.

  5. „ich habs ja nicht anders gewollt“… ja das hast Du Hase. Doch Du wirst auch das gut überstehen. Die ersten Schritte sind immer die schwersten. Laßt Euch nicht unterkriegen, seid feste gedrückt.

  6. Pingback: Jahrestag | Susi und Ferkel·

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