Abenteuer

Eben ist Judith wieder weg (22h). Wir haben gerade ein riiiieeesen Abenteuer hinter uns: Sie hat zum ersten Mal meine Muschi gesehen! Und nicht nur das – ich hab auch „geübt“, also Platzhalter raus und wieder rein. Ich bin immernoch total aufgeregt *hibbel*.

Aber langsam, der Reihe nach.
Angekündigt hatte mir das Frau Dr. Tabatabaei ja schon gestern und heute morgen bei der Visite dann nochmal: Heute käme der Verband weg und ich sollte anfangen zu üben. Den ganzen Vormittag war ich aufgeregt und hatte Bammel vor dem „ersten Mal“. Mittags dann wurde ich nach unten gerufen und machte mich mit wackeligen Knien auf den Weg. Zunächst alles Routine, bis sie sagte: „So, dann ziehen sie mal die Handschuhe an…“ *schluck*. Sie erklärte mir genau, was ich tun muss und ich tat es. Es war garnicht schwer. Das Schlimmste, war die Angst, dass ich mir weh tun oder etwas kaputt machen könnte. Aber sie beruhigte mich immer wieder und weil’s so schön war, „durfte“ ich es gleich noch einmal machen. Dann kam kein neuer Verband drüber, sondern eine fussballfeldgrosse Binde und dann die von mir mitgebrachte Miederhose. Ein bisschen anstrengend, das widerspenstige Kleidungsstück hochzuziehen, aber es ging. Glücklich und übermütig tippelte ich wieder durch die Flure nach oben.

Bei der Nachmittags-Visite erkundigte sie sich, ob alles ok wäre und gab der Schwester die Anweisung, mir das „Starterpaket“ auszuhändigen. Dieses besteht aus einer Packung Latexhandschuhen, ’nem Stapel Mullkompressen, einer Tube Betaisodona (Jodsalbe), einer Tube Ovestin (Östrogensalbe), zwei mal 11 ml Instillagel (anästhetisches Gleitgel) und ein paar Einwegspritzen, sowie einem Flyer mit der gedruckten Version der Anweisungen, die ich von ihr erhalten hatte. Und dann meinte sie noch so nebenbei, dass wir morgen den Blasenkatheder blocken und ich versuchen soll, normal zu pinkeln (der Harnröhrenkatheder ist ja schon raus – ihr erinnert euch?!). Wenn das klappen würde, käme ich Freitag (Heiligabend) raus, wenn nicht, dann Samstag. ZWEI oder DREI Tage früher als gedacht!!! Ich wär ihr vor Freude am liebsten um den Hals gefallen.

Pünktlich zum Abendessen kam dann meine Liebste und ich musste ihr natürlich gleich Alles erzählen. Das mit der früheren Entlassung wirft zwar ihre Pläne über den Haufen, aber wir haben eine Lösung gefunden. Sie fährt (wie geplant) an Heiligabend zu ihren Eltern und nimmt mich dann auf dem Rückweg (am Samstag) mit nach Hause. Ist mir ganz recht, dann kann ich hier noch mit den Schwestern „Oh Tannenbaum“ singen. Also – wenn nix mehr dazwischenkommt (und davon geh‘ ich jetzt mal aus), dann komm‘ ich am Samstag nach Hause und Judith und ich feiern – mit nur einem Tag Verspätung – Weihnachten. Ich bin soooo glücklich!

Wir haben dann hier zusammen gegessen, uns gestreichelt und geküsst und sie hat mich wieder im Arm gehalten. Das ist mir inziwschen eine wundervolle und wichtige Gewohnheit geworden. Ich bin auch sicher, dass es mir ohne das nicht so gut gehen und meine Heilung nicht so schnell fortschreiten würde.

Dann kam ein Freund zu Besuch, worüber ich mich wieder sehr gefreut hab. Er hat mir vom Bahn-Chaos erzählt und von den Ausnahmezuständen auf den Flughäfen – er kam nämlich gerade aus Wien. Eigentlich wollte er mit Judith wieder nach Köln fahren, aber wir beide hatten ja nochwas vor und Judith wollte noch bleiben. Also machte er sich allein wieder auf den Weg – sei uns bitte nicht böse deswegen!

Tja, und dann war es soweit: Ich erklärte Judith, wie es ablaufen sollte – auch um mir selber nochmal alles gedanklich zurechtzulegen und auch, damit sie mir notfalls helfen konnte, obwohl ich alles alleine schaffen wollte. Muss ich morgen und die nächsten Monate ja auch. Ich machte mich also nackig (nachdem ich mir sämtliche nötigen Utensilien in Reichweite gelegt hatte), zog den Platzhalter raus und liess Judith mein neues Schätzchen begutachten, was sie auch ausgiebig tat. Und sie machte ein paar Fotos davon – fürs Erinnerungsalbum, nicht für euch! Dann ging ich auf Toilette und machte den Stent sauber. Soweit war ja alles ganz einfach. Doch das Ding musste ja auch wieder rein – und zwar diesmal allein, ohne den Beistand von Frau Doktor. Also Gleitgel drauf, angesetzt und nachgedrückt – drin. Mann, war ich erleichtert! Binde (wegen ihrer Grösse hier liebevoll „Surfbrett“ genannt) davor und Hose hoch. Geschafft. Judith grinste wie ein Honigkuchenpferd. Und ich war erleichtert. Zum einen, weil ich’s geschafft hatte und zum anderen, weil meine Befürchtungen Judith könnte das ekelig finden, sich als nichtig herausgestellt hatten. Wir hielten uns noch ne Weile im Arm, dann machte sie sich auf den Heimweg. Das war’s für heute. Was für ein Tag, was für ein Abenteuer!

Ach ja: Heute Mittag gabs Spaghetti Bolognese – lecker!
😉

Advertisements

5 Antworten zu “Abenteuer

  1. Liebe Susi,
    hoffe das verstehste jetzt nicht falsch, aber dieser Bericht hat mich doch sehr daran erinnert wie ich das erste mal, als junges Mädel versucht hab ’nen Tampon zu benutzen … musste schmunzeln 😉
    Tja jedes junge Mädchen muss früher oder später so ’ne Erfahrung machen wie du siehst. *smile

    schlaf schön *wink

  2. Was das wirklich sooo überraschend, daß Du bereits zu Heiligabend hättest daheim sein können? Schließlich hatte ich’s selbst vor 3 Tagen geschrieben – da hättet Ihr Euch doch nun wirklich zwztl schon drauf einrichten können ! *verschmitzt und sich mit Euch freut*

  3. Ich habe gerade so richtig mitgefiebert, danke für die bildhafte Beschreibung 🙂
    Und schön, das mit Weihnachten *daumen drück

    Und ein kleines bissle recht hat Siouxi ja .. *fg

  4. Japp, das weckte auch bei mir Erinnerungen an den ersten Tampon *gggg*

    Aber Susi ich freu mich so für Dich und drück ganz doll die Daumen das es weiterhin so gut klappt und Du Weihnachten daheim feiern kannst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s