Wieder ein Schritt

Und wieder geht ein Tag zu Ende. Ein guter Tag.
Ich war wieder vor dem Temperaturmessen und Frühstück wach, aber ich hatte einigermassen geschlafen. Kurz drauf kamen die Schwestern rein und ich freute mich  auf die Tagesroutine. Die Visite kam auch noch vor dem Frühstück und Frau Dr. Tabatabaei kündigte mir an, dass ich gleich „dran“ wäre.

Unischer, wie gleich „gleich“ wäre, schob ich die Morgentoilette erstmal auf. Das war auch gut so, denn kurz darauf, brachte mir eine Schwester meine Kladde und teilte mir mit, dass ich unten erwartet würde. Verdutzt fragte ich, ob ich nicht (wie die Male zuvor) von einem Zivi in meinem Bettchen chauffiert würde, worauf sie meinte: „Das schaffen sie schon“. Okaaaaaayyyy – ein paar Schritte durchs Zimmer zur Toilette oder auf den Balkon ist Eins, aber durch die Flure und mit dem Fahrstuhl runter ist ein Anderes.

Ich holte tief Luft und machte mich mit Babyschrittchen auf den Weg. Beim Fahrstuhl angekommen hielt ich mich erstmal an nem Handlauf fest und war für die Pause dankbar. Kein Mensch weit und breit und kein Schwesternrufknopf in Sicht. Wenn ich jetzt umfalle, lieg ich da erstmal ne Weile. *Schluck*
Der Aufzug kam und ich fuhr nach unten. Wieder durch lange Flure – Schrittchen für Schrittchen. In der Ambulanz war niemand. Verflixt. Dann bemerkte ich in einem Untersuchungszimmer zwei Pfleger, die mir sagten, dass Frau Doktor gleich kommen würde und ich schon mal auf dem Stuhl Platz nehmen sollte. Da sass ich dann – ein bisschen bang und versuchte eine Sitzposition zu finden, die nicht allzu unangenehm war.

Wenig später kam Frau Doktor und begrüsste mich freundlich. Sie erkundigte sich nach meinem Befinden und fragte interessiert nach meiner Lebensgefährtin. Ruhig und konzentriert machte sie sich ans Werk und erklärte mir genau, was sie tut: Der Verband kam runter, sie machte die Wunde sauber, sah sich alles genau an, teilte mir mit, dass alles „sehr schön“ sei und dass sie gleich noch den Harnröhrenkatheder ziehen würde. Vergesst das mit den Drainageschläuchen – DAS war schlimmer, aber kurz und schnell vorbei. Wieder ein Schritt. Ich fragte, ob ich mir jetzt nicht in den Verband pinkeln würde, was sie verneinte. Der Urin fliesse immernoch über den Blasenkatheder (durch die Bauchdecke) ab. Dann kam noch der übliche Empfindlichkeitstest an meiner Klitoris *seufz* und sie gab mir nen Handspiegel: Was soll ich sagen? Es sieht noch aus wie ne Wunde, aber viiieeel besser als beim letzten Mal. Nicht mehr blau und lila, sondern normal hautfarben. Es ist noch geschwollen, aber mich macht der Anblick froh – ich kann nicht anders. 😉 Zum Schluss noch der Verband wieder drüber. Geschafft. Der Weg zurück nach oben war lang, aber gut, und oben wartete dann das Frühstück auf mich. Ich war fix und fertig, aber stolz wie Oskar.

Glücklich, mit meinem Plüschferkel im Arm und nem Lächeln im Gesicht schlief ich dann noch ne Runde. Gegen elf Uhr kam eine Physiotherapeutin und verabreichte mir die verordnete Nackenmassage. Ich war wiedermal im Himmel. Sie packte kräftig zu und ich war danach kurzzeitig vollkommen Kopfschmerzfrei. Morgen kommt sie wieder und ich freu mich schon wie Bolle.

Zu Mittag gabs Hähnchenroulade mit Spinat-Frischkäse-Füllung, Kartoffeln und Blumenkohl. Wieder lecker. Ich hab dann noch einige von den Plätzchen verputzt, die mir meine Besuche mitgebracht hatten, meinen Toilettengang nachgeholt, mich – soweit es geht – ein bisschen hübsch gemacht und dann noch ein bisschen geschlummert. Plüschferkel, Lächeln und so.

Später hab ich dann nen Kurzausflug auf den Balkon unternommen und dann kam auch schon Judith und wir konnten uns endlich wieder in die Arme nehmen. Das ist soooo schön! Sie hat mir sechs verschiedene Marzipan- und Nougatsorten vom Weihnachtsmarkt mitgebracht und wir haben rumgeschlemmt. Dann kam noch ein Freund und es wurde ein lustiger Abend, wobei meine Süsse für meinen Geschmack ein wenig zuviel Übermut entwickelt. Kann die mal bitte jemand stoppen?

Und dann kam der Höhepunkt für heute: Judith hat mir die Haare gewaschen! Das war garnicht so einfach, denn der Verband soll ja nicht nass werden – und Judith auch nicht. Wir haben uns so nen Plastik-Rollstuhl organsisiert, ich hab mich auf mein Ringkissen mit dem Rücken zur Dusche draufgesetzt und den Kopf hinten über hängen lassen – fast wie beim Friseur. Was für ein Luxus! Und ich habs soo genossen. Noch ein Talent, was Judith hat. 😀 Ich kann euch garnicht sagen, wie gut es tut, sich mal wieder ein wenig zivilisierter zu fühlen.

Und noch ein Foto möchte ich euch nicht vorenthalten, was meine Bettnachbarin geknipst hat. Das war’s für heute. Ich bin müde, aber zufrieden und glücklich. Gleich werd ich den Compuzi ausmachen und schlafen. Plüschferkel, Lächeln und so…

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9 Antworten zu “Wieder ein Schritt

  1. Öhem – der Sitzring wird auch sehr gerne bei Wöchnerinnen genommen – aber nicht als „Krone“ 😉

    Frau könnt‘ ja fast meinen, Du willst unbedingt an Heiligabend bereits zu Hause sein – so schnell, wie Du jetzt Fortschritte machst 😉 Ich wünsch’s Euch beiden ! 🙂

  2. *tihiii*

    ich dachte immer, heiligenscheine sind irgendwie nicht orange, steht dir aber 😛

    schön das du so riesen vortschritte in „piccoli passi“ machst und dich so tolle menschen begleiten!

  3. Hi Susäähn,

    ich dacht DAS wäre schon lange erledigt, nun lese ich hier und in facebook, dass du wohl gerade getunt wirst. Dazu wünsche ich dir alles Gute und viel Erfolg, sowie Spaß beim neu entdecken.
    Meine „Kleine“ ist ja nun schon fünfzehn, hat die Pubertät aber schon hinter sich. Reitet wie eine Verrückte, aber das mögen ja alle Mädchen irgendwie gern.

    Gute Besserung und schöne Feiertage! … und keine Dominosteine reinstecken hörst du?
    Jeanette + Tina

  4. Ich freue mich wirklich sehr für dich und wünsche euch für euer beider Zukunft nur das Beste! Auf dass alle Narben verheilen, die Inneren, wie die Äußeren. Für mich warst du bereits beim ersten sehr kurzen Aufeinandertreffen in HH „die Süße in rosa Latex“ 😉 Kaum zu glauben dass es je anders war;)
    Alles Liebe für euch!

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