Es kann sich nur noch um Stunden handeln…

Inzwischen kann man die Stunden bis zur OP zählen – die Anzahl ist im mittleren zweistelligen Bereich angekommen. Als ich das vorhin Susanne gegenüber in einem Nebensatz erwähnte, wurde uns beiden spontan etwas anders.

In knapp 60 Stunden werde ich wohl auf dem Höhepunkt meiner Nervosität angekommen sein, während Susanne friedlich pennt. Noch. Ich werde mich so langsam auf den Weg zur Klinik machen oder zumindest darauf vorbereiten, damit ich bei ihr sein kann, wenn sie aufwacht. Wenn sie es realisiert, was da geschehen ist. Wenn auch ich vielleicht endlich begreife, was da passiert ist.

Im Moment weigert sich mein Hirn meistens, aktiv weiter zu denken als bis zu den nackten Fakten. Ich weiß, was da passiert am Dienstag, dass Susanne ihren Schwanz gegen eine Muschi eintauschen wird und dass das wahrscheinlich heftig weh tun wird. Ich weiß auch, dass sie sich die OP von Herzen wünscht und ich ihr deswegen auch, dass es kein Spaziergang wird, sich aber ganz sicher lohnt. Dass es viel Fahrerei für mich wird, die ich aber gern auf mich nehme, und viel Beschwernis für Susanne, die aber mit jedem Tag besser werden wird.
Aber das sind alles Einzelheiten. Die ganzen Puzzlestücke zusammenzufügen und die ganze großartige Ungeheuerlichkeit zu erkennen, ist mir bewusst irgendwie nicht möglich. Aber mein Körper kann das. Der ist ziemlich angespannt und hibbelig und aufgeregt – oft, ohne dass ich es direkt mitkriege. Meine Stimmung geht rauf und runter, aber insgesamt bin ich guter Dinge – so, wie meine Süße ja auch. Und manchmal, ja, manchmal wird mir doch ganz feierlich zumute und ich spüre diesen Hauch der Großartigkeit. Dann bin ich stolz und froh, dass ich meiner Liebsten zur Seite stehen kann bei diesem Weg, den sie geht. Dass sie mich mitnimmt auf dieses Abenteuer, dass sie mir ihr Vertrauen schenkt und mich so nah an sich heranlässt.

Wichtig für unsere Seelenruhe ist wohl, dass wir gut im Plan liegen. Wir haben es tatsächlich geschafft, viel von dem, was wir uns vorgenommen hatten, umzusetzen und die Alltagshektik etwas fernzuhalten. Wir sind trotz aller körperlichen Hibbeligkeit ruhig geworden, haben uns wirklich gesammelt, tatsächlich auf uns besonnen und viel Zeit bewusst miteinander verbracht.
Für morgen bleiben nur noch ein paar Kleinigkeiten zu tun, und Zeit für den Besuch einer lieben Freundin ist auch noch. Allerdings sollte ich morgen vielleicht doch ausnahmsweise mal Abstand von meinem derzeitigen Plätzchenback-Wahn nehmen: Da Susanne ab morgen nichts Festes mehr essen darf, wäre verführerischer Butterzuckermarzipangeruch aus dem Backofen wohl doch etwas fies…

Es ist jetzt viertel nach zwei am Morgen. In weniger als 31 Stunden geht es schon los. Dann rollt mein frisch repariertes Auto (Danke Euch fürs Daumendrücken, es hat sich gelohnt!) gen Krefeld. Und ich bin sehr gespannt, ob meine Passagierin dann die Ruhe selbst ist oder fast aus dem Fenster springt… Ich werde berichten. Versprochen. 🙂

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7 Antworten zu “Es kann sich nur noch um Stunden handeln…

  1. Auch wir sind schon ganz hibbelig. Schon komisch, ist ja danach auch immer noch unsere Susi… wird ja kein anderer Mensch… und dann irgendwie doch… ach, irgendwie schon komisch… In Gedanken sind wir die ganze Zeit bei Euch!!!

  2. Ich fiebere mit Euch, etwas Grossartiges und Unvorstellbares wird geschehen, eine Befreiung wie man sie sonst kaum im Leben findet. Eine Widergeburt die von Wehen begleitet ist, viel Kraft braucht, die aber zu einer Erlösung führen wird. Ich denk ganz fest an Euch 🙂

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