Einmal im Monat…

…besuch ich meine Kinder. Ich hab zwei davon, zwei Mädels. Die Grosse ist jetzt 13 und gerade zum ersten Mal so richtig verliebt. Freunde hatte sie schon ein paar, aber so richtig geknallt hat es jetzt wohl zum ersten Mal. Pausenlos erzählt sie, was er gesagt hat, was er geschrieben hat, wie er aussieht, was er getan hat, wie er küsst usw. usw… Ich freu mich so für sie! Das ist eine schöne Zeit, die erste Verliebtheit. Ich hoffe, sie geniesst es und ich hoffe, sie behält es in guter Erinnerung. An mein erstes Mal denk ich auch noch gerne zurück. Das war schön und aufregend. Ich war ja sooo schüchtern! *gg* Und ich erinnere mich, dass ich damals schon die Mädchen beneidet hab um ihr Mädchen-sein-dürfen. Albernes Gekichere, Tuscheln, Geheimnisse und Poesiealben – das alles war nix für Jungs. Leider. Wie gerne hätte ich meine Jugend als Mädchen erlebt – achja…

Meine Kleine ist 11. Sie ist ein Down-Kind und kriegt nicht immer alles so richtig mit. Aber sie lebt offensichtlich ein sehr glückliches und – für ihre Verhältnisse – eigenständiges Leben. Jedenfalls ist sie super lebendig und unser Sonnenscheinchen. Auch wenn sie ganz schön kratzbürstig werden kann, wenn nicht alles nach ihrem Kopf geht. Böse Zungen behaupten, das hätte sie von mir, aber das KANN ja garnicht sein! 😉

Jedenfalls bin ich gerade hier, in Neumarkt (Oberpfalz) – hier leben sie mit ihrer Mutter, meiner Ex-Frau. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander, meine Ex und ich. Nach der Trennung vor 12 Jahren gabs erstmal Rosenkrieg und viel Verletzung, aber wir haben’s hingekriegt. Heute sind wir gute Freundinnen und telefonieren manchmal stundenlang, wenn’s der einen grade mal nicht so gut geht. Ich bin darüber sehr froh! Nicht zuletzt (aber nicht nur) wegen der Kinder. Ich wünschte, die Entfernung wär nicht so gross. Köln – Neumarkt, das sind locker mal so 450 km einfach. Immer wieder versuch ich die drei zu bequatschen, dass sie doch in die Nähe von Köln ziehen sollen – naja, vielleicht klappts ja doch irgendwann.

Aber solange muss ich einmal im Monat quer durch Deutschland gondeln. Dieses Wochenende zum letzten Mal vor der OP und dann erstmal ne Weile nicht, bis ich wieder fit bin. Ist ja nicht so, dass es hier nicht schön wäre – die Oberpfalz hat was, vor allem Landschaftlich. Aber ich lebe einfach lieber in der Grossstadt. Provinz hatte ich lange genug.

Ein bisschen anders fühlt es sich schon an diesmal. So ein klein wenig feierlich, wie ein Abschied. Aber ich komm ja wieder – nur leicht verändert. Den Kindern ist’s egal. Zumindest sagen sie das. Die Kleine versteht es nicht und die Grosse findet’s gut, dass ich mein Ding mache. Sagt sie. Ich denke schon, dass es sie manchmal nervt, nicht einfach ne „normale“ Familie zu haben und oft erklären zu müssen, was transsexuell bedeutet. Aber sie ist stark – eine Löwin – und ich glaube, sie kommt gut zurecht damit. Ich kann es ja auch nicht ändern oder lassen – ihr zuliebe. Das wär Quatsch. Denn was nützt es ihr, einen „normalen“ Vater zu haben, der aber ständig aggressiv und schlecht gelaunt ist, weil er nicht das sein kann, was er will. Meinem Empfinden nach ist es so sehr viel besser – auch für sie.

Aber wer weiss schon, ob das immer alles richtig ist, was wir so machen. Vielleicht kommt es darauf auch garnicht an. Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich meine Kinder liebe und dass ich ein sehr viel besseres Verhältnis zu ihnen habe, seit ich ICH bin. Auch wenn sie immernoch „Papa“ zu mir sagen. Aber vielleicht ändert sich das ja auch irgendwann mal… 🙂

So sitz ich hier am Schreibtisch meiner Ex-Frau, sinniere vor mich hin und blicke hin und wieder aus dem Fenster. Schön eingeschneit hier. Und friedlich. Aber ich bin nervös, mein Knie zappelt und ich will wieder nach Hause – zu meiner Liebsten. Die letzte Woche vor der Op.

Jetzt koch ich erstmal Mittagessen. Cordon Bleu mit Broccoli und Reis. Meine Kinder mögen Broccoli. Komische Kinder…

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7 Antworten zu “Einmal im Monat…

    • An Broccoli is nix komisch aber dass Kinder ihn mögen find ich schon außergewöhnlich. Fast könnt ich Susi um ihre Mädels beneiden, ansonsten bin ich mit meinen Jungs schon glücklich. 🙂

  1. Also sooo schüchtern hab ich den Jungen von dem ich meinen ersten Kuss bekommen habe gar nicht in Erinnerung?! 😉
    Schöne gute alte Zeit, lang lang ist’s her….

    Jedenfalls verfolge ich seit meiner letzten SMS an dich hier regelmässig euere Einträge und der heute gefällt mir besonders, darum mein erster Kommentar.
    Ich bewundere deinen Mut zu der OP u. wünsch euch beiden viel Kraft für die nächste Zeit. Fühlt euch mal gedrückt! ♥
    Liebe Grüße aus der alten Heimat bzw. der (schrecklichen?) fränkischen Provinz 🙂

    • doch, ich war schüchtern! ich hab es nur nicht gezeigt – schauspielern konnte ich schon immer 😉 aber innerlich hab ich gezittert.

      danke dir!!!
      auch für die gute alte zeit.

  2. ich fass es nicht, das du es hier rein geschrieben hast 😀 omg.. 🙂 Ich musste irgwie lachen. Ich habe seit langem (habe grade wieder ein paar Probleme –> scheiß Pubertät ;)) wieder so richtig von herzen gelacht. 🙂 und ich finde es schön, das du auch hier etwas von uns schreibst. „Er“ (du verstehst;)) fand es auch sehr witzig und auch süß von mir was ich so alles von ihm erzähle. Also „Danke“ in diesem Sinne das du mir geholfen hast 😉 aber „Er“ schaut auch immer mal wieder in den blog rein. 🙂 Und er hat mich neulich im kino geküsst!!! 😉 Nur mal so neben bei 😉

    • ooooh süsse,
      das freut mich so für dich! und ich freu mich wahnsinnig, dass du hier mitliest und über deine lieben kommentare!!! danke dir. :-*

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