Noch 20 Tage…

Es ist, wie es immer ist:

Erst dauert alles ewig und es ist schwierig, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – und wenn es dann auf’s Ende zugeht, beginnt die Zeit zu rasen.
Eigentlich wollten  wir die Zeit vor der OP nutzen um uns zu besinnen und „runter“ zu kommen, aber die Tage vergehen viel zu schnell. Und ich bin viel zu aufgeregt und kann mich nur sehr schwer konzentrieren. Ständig springen meine Gedanken von A nach B, von dort nach C und wieder zu A um gleich zu D zu springen …

Dabei frag ich mich: Warum bin ich so durcheinander?
Es passiert doch nichts, was ich nicht will. Im Gegenteil. Alles, was ich mir in den letzten 10 Jahren gewünscht hab, geht jetzt in Erfüllung. Alles wird gut. Ich krieg endlich das, was ich will. Also warum diese Hibbelei?

Vielleicht weil ich Angst hab vor dem Eingriff? Ist ja kein Kinderspiel, aber ich muss ja auch nix machen – ausser friedlich Einschlafen. Schon krass – ich schlafe mit Schwanz ein und wache mit Muschi auf. Vielleicht ist es das Unvorstellbare? So sehr ich es auch versuche – ich kann es mir nicht vorstellen, wie es sein wird. Vielleicht ist es das. Ich als alte Kontrollöse soll mich einfach hinlegen und die machen lassen? Nein, das ist es nicht. Ich vertrau‘ der Klinik und Fr.Dr. Krege. Die wissen, was sie tun. Besser als ich. Vielleicht ist es doch die Frage, ob das alles richtig ist so? Die Angst, doch einen Fehler zu machen? Mein Psycho sagt, das sei vollkommen normal. Schliesslich wird mir erst jetzt die Endgültigkeit dieser Entscheidung bewusst und da kann man schon ein- oder zweimal ins Grübeln kommen. Aber eigentlich bin ich mir sicher. Schon lange. Und selbst wenn es sich doch nicht als die Erfüllung herausstellen sollte – ich werde nichts vermissen! Soviel ist sicher: ich habe meinen Schwanz nie gebraucht. Naja, ausser zur Zeugung meiner zwei Kinder – zugegeben. Und es ist wunderbar, dass es die beiden gibt! Aber Freude hat er mir nie bereitet. Also wird mir auch nichts fehlen, wenn er weg ist. Und männlich will ich sowieso nicht sein. Abgesehen davon, dass ein Schwanz noch keinen Mann macht, aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Vielleicht ist es aber auch so was wie die Angst vor dem Erfolg.

Was ist danach? Was ist, wenn ich dann alles erreicht hab? Wenn es keinen Grund mehr gibt für Depression und keine Ausrede mehr für Antriebslosigkeit? Was ist, wenn ich dann einfach mal nur glücklich bin?

Und was ist, wenn ich es nicht bin? Was ist, wenn sich kaum etwas ändert? Verliere ich dann das Wohlwollen der Menschen um mich herum, die bisher voller Verständnis waren, wenn ich mal wieder launisch und schwierig war?

Ich weiss es nicht. Ich weiss es einfach nicht. Und es macht mich ganz schön kribbelig – auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, kann ich nicht still sitzen. Meine Knie zappeln und ständig schweifen meine Gedanken ab. Aber ich muss da durch. Und ich werd auch durch kommen. Keine Frage. Aber es ist einfach ungeheuer aufregend. Und spannend. Das ist auch das Schöne daran: Ich stehe kurz vor dem grössten Abenteuer meines Lebens! Ein Hammer! Ich werde etwas erleben, was nur sehr wenige Menschen erleben. Eigentlich schade, dass ich dabei schlafen werde. *gg*

Das einzige, was mir hilft und immer wieder geholfen hat, ist, dass ich mich auf meinen Glauben konzentriere. Ich glaube daran, dass wir die Welt um uns herum selbst gestalten und dass die Dinge so sind, wie wir sie sehen. Ich glaube, dass Glauben Realität schafft und dass alles möglich ist. Manchmal vergess ich das nur.

Und noch etwas hilft mir immer wieder: Die Liebe meiner Liebsten und die Freundschaft der Menschen um mich herum. Ich danke euch.

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11 Antworten zu “Noch 20 Tage…

  1. Ich denke es ist die „Angst“ vor dem Aufwachen. Also vor dem Ungewissen nach der OP. Okay, Du weißt wie alles abläuft, kennst Leute die es hinter sich haben und deren Berichte. Aber jeder ist anders und das große „Wie wird es sein?“ kann einen schon ganz schön mächtig durcheinander und hibbelig machen.

  2. ……ohhhhh!!! Das Du da hibbelig wirst kann man/frau sich echt denken! Ob sich dann all das ändert? Keine Ahnung. Vielens davon kenn ich auch, obwohl ich nie vor so einer OP gestanden habe ….
    Aber es hilft nix: Augen auf und los fliegen!!! Du schaffst das…ich bin mir sicher! ;-))
    Ich drück Dir jedenfalls ganz doll die Daumen und wünsch Dir, das alles Bestens wird…;-)

  3. Du meinst, es könnte passieren, dass Du nach der GAOP nicht mehr zickig und pink verrückt und unordentlich und hibbelig und zutiefst traurig und überschäumend und unberechenbar und schwierig und voller verrückter Ideen und albern und halsüberkopf in Projekte stürzend und vergesslich und damenhaft und schlampig und detailverliebt und monk und oberlehrer und zweifelnd und …. bist?
    Dann solltest Du Dir das mit der OP noch mal überlegen. Das geht nicht. Wir wollen Dich genau so, wie Du bist, denn so mögen und lieben wir dich. Also sei bloß nicht anders wenn Du wieder aufwachst (na ja, äußerlich vielleicht ein bischen 😉 )

  4. Auf jeden Fall drücke ich alle Daumen, Hühneraugen und natürlich auch die Pobacken — also alles was ich drücken kann und wünsche dir alles Gute!!!

    Angst zu haben ist normal, die hat man vor einem Eingriff und dein Eingriff – also diese OP – ist ja nun kein 5 Minuten-Akt. Das dauert ja nun etwas länger und sicher möchtest du danach auch eine richtig „Hübsche“ haben :-).

    Wir alle denken an dich … und VIEL Glück und alles Liebe!!

    Antonia

  5. Ich glaube, wenn du nicht hibbelig wärst, müsstest du dir Gedanken machen.
    Denn das Ganze ist eben nicht mit dem umlegen eines Schalters erledigt.
    Auf jeden Fall denken ganz viele an dich 🙂

  6. Wie gut ich das doch kenne, das liegt vorallem daran, dass man sich diesen Zustand nach der Op nicht vorstellen kann, weil man es nie erlebt hat, dieses Einssein zwischen Innen und Aussen. Ich hatte auch Angst vor dem Eingriff selber und fands irgendwie unheimlich, in dieses Land zu gehen, das ich so ersehnt habe und doch nie kannte. Aber bisher, 10 Tage nach der Op, ist alles nur gut und ich glaub, es geht so weiter.

    Wichtig ist, dass man sich nicht nur durch die Transsexualität definiert, dass man andere Interessen hat und andere Sinninhalte im Leben. Denn die Transsexualität endet, sie wird zur Vergangenheit, was dann kommt ist ein ziemlich normales Leben als Frau. Da scheint es mir wichtig, dass man z.b. sozialen Halt hat und eben Interessen, die über TS hinausgehen. Dann wartet ein spannendes Leben vor einem, der Kampf ist zwar vorüber, aber das Leben selbst ist spannend genug.

  7. Pingback: Normal | Susi und Ferkel·

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